Es ist angerichtet für den Winter

Ein Besuch im Kreisbauhof Abenberg vor Saisonbeginn fördert viele Herausforderungen zu Tage – Wunsch für mehr Verständnis
Stand: 08.11.2026

Auf den ersten Blick hört sich das nach Widerspruch an. Ein Streufahrzeug und wir reden von „Fingerspitzengefühl“? Wer jedoch Patrick Christofori und Bernd Pischke zum Thema Winterdienst ein wenig länger zuhört, merkt schnell: Das ist mehr als sich hinters-Steuer zu setzen und Schnee wegzuschieben. Viel mehr, um genau zu sein.

Dennoch sind die beiden Bauhofmitarbeiter entspannt. „Wir sind vorbereitet“, sagen sie mit Blick auf die anstehende Saison. Bedeutet: Das Salzlager ist gut gefüllt, die Schichtpläne sind geschrieben. Zudem bringen Christofori, Pischke und ihre Kollegen eine Menge Routine und Gelassenheit mit. Und sie wissen: „Alle tun ihr Bestes.“

Dass das manchen Bürgern offenbar nicht reicht, schmerzt die 18 Mitarbeiter im Abenberger Kreisbauhof. Sie wünschen sich etwas mehr Verständnis. „Wir können einfach nicht überall gleichzeitig sein.“ Das gilt insbesondere für extreme Wetterlagen. Patrick Christofori und Bernd Pischke wissen von Situationen, in denen das Streufahrzeug rückwärts den Berg angesteuert hat, weil es keine andere Chance hatte. „Unter dem ist ja auch nicht gestreut.“

Straßenbaumeister Christofori und stellvertretender Kolonnenführer Pischke erklären den „normalen“ Ablauf im Winterdienst. Um 2 Uhr startet der Melder während der Woche seine Inspektionstour und unterrichtet die Kollegen, die bei entsprechender Lage dann um 3 Uhr ausrücken. Die zweite Schicht ist dann von 16 bis 20 Uhr dran, freitags ab 12. Meist werden zwei Runden gefahren, in bestimmten Fällen drei. „Aber da kommen wir dann schon in Nähe von arbeitsrechtlichen Themen wie Ruhezeit und Pausen“, geben die Verantwortlichen zu bedenken.

Schwerpunkt sind zunächst die Bergstrecken, für den Abenberger Bauhof bedeutet das, es geht zunächst Richtung Spalt - neben Georgensgmünd, Kammerstein, Rohr, Abenberg, Büchenbach, Teile Richtung Roth, Allersberg, Schwanstetten und Wendelstein der Zuständigkeitsbereich. 140 Mal waren die Fahrzeuge im vergangenen Winter im Einsatz, die Hilpoltsteiner Kollegen mussten ein paar Mal öfter „raus“, liegen ihre Ortschaften doch insgesamt etwas höher.

Kritisch wird es immer dann, wenn es erst glatt ist und dann schneit. Da kann es passieren, dass der Fahrer zurück aufs Betriebsgelände muss, um den Pflug zu holen – was natürlich Zeit kostet. Zeit ist überhaupt der größte Gegner. „Wenn die Bedingungen entsprechend schlecht sind, können wir ja auch nicht schnell fahren.“

Was Bürger, die sich beschweren, in den seltensten Fällen bedenken: Auch die Mitarbeiter müssen ja erst mal in den Bauhof kommen, mit dem Privatfahrzeug (!), um von dort aus zu starten – und da ist sicher weder geräumt noch gestreut. Kritik und Reklamationen gibt es fast ausschließlich bei extremer Glätte oder enormem Schneefall. Aber genau da komme man personell und mit der Fahrzeugflotte einfach an Grenzen, mitunter müssen zwischendrin Salz und Sole nachgeladen werden. Würde der Landkreis ein Maximum vorhalten, der Aufschrei bezüglich Kosten würde wohl nicht lange auf sich warten lassen. Schon jetzt sind im Landkreis drei Fremdfahrzeuge eingesetzt.

„Alles eine Sache der Verhältnismäßigkeit“, sensibilisieren Christofori und Pischke. Zumal sich, wie im vergangenen Winter an vier, fünf Tagen, Jedem mit ein wenig Nachdenken erschließen könnte, dass „wir nicht überall gleichzeitig sein können“. Auch das Anspruchsdenken nach dem Motto „Ich habe ein Recht auf eine schwarze Straße“ dürfe der ein oder die andere gerne mal reflektieren.

Zum Frust über negative Rückmeldungen kommt erneut der Faktor Zeit. „Das Schreiben von Stellungnahmen hält uns von unserer eigentlichen Arbeit ab“, gibt Patrick Christofori zu bedenken. Mehr und mehr spielt sich die Unzufriedenheit zudem in den sozialen Medien ab, was es nicht leichter macht. Im Gespräch könne man schließlich Sachlagen und Zwänge erklären. Pauschalverurteilungen im Netz hingegen…

Bernd Pischke sagt über seine Kontrolltouren: „Ich kann an einer Stelle vorbeikommen, die unkompliziert aussieht und an der es eine Stunde später gefährlich ist.“ Die Kilometer, die er und sein Kollege in Hilpoltstein im Auge haben (müssen), sind im Sinne maximaler Sicherheit einfach zu viel. „Wir tun wirklich, was wir können“, betont Patrick Christofori im Namen aller Kollegen.

Gestreut wird mit einem Salz-Sole-Gemisch, das im Bauhof selbst gemixt wird. Mit diesem haben die Fachleute die besten Erfahrungen gemacht, gleichwohl wissend, dass es die Umwelt belastet. Nun kommt das Fingerspitzengefühl: Benutzt wird „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“, betont Patrick Christofori.

In den 18 Jahren, in denen er „dabei“ ist, sei das Salz noch nie wirklich knapp geworden, berichtet der stellvertretende Leiter weiter. Was neben guter Kalkulation einer geplanten Nachbestellung im Januar oder Februar geschuldet ist. Bürgersorgen in diese Richtung könnte man zudem mit dem Hinweis auf den Vorrang der öffentlichen Hand bei Engpässen gegenüber Privatleuten relativieren.

Fazit: Der Winter kann kommen – muss er aber nicht. Und schon gar nicht „in extrem“.

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