
Wilder, milder Genuss
In Güsseldorf wurden die Wildwochen 2026 des Landkreises eröffnet
Stand: 02.11.2026
Die Idee war gut, nur letztlich spielten die tierischen Hauptdarsteller nicht mit, als sich die Prominenz am Gehege-Zaun für ein Foto versammelte. Die Hirsche zogen es vor, sich zu verziehen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, schließlich ließ die Sonne das Herbstlaub wunderbar strahlen. Als sich dann auch noch das, was Küchenmeister Gerhard Forster den Gästen auf die Teller zauberte, als wunderbar entpuppte, war das Prädikat gesetzt, das der Auftakt der diesjährigen Wildwochen bekommen würde.
Als hätten sie den Genuss, der folgen sollte, geahnt, verstummten am Tisch des Güsseldorfer Gasthauses sofort alle Gespräche, als die Vorspeise serviert wurde. „Ein besseres Kompliment an den Koch kann es kaum geben“, kommentierte Ben Schwarz die Szene. Um etwas ernster auf den Hintergedanken hinter den Wild-, wie auch den übrigen Spezialitätenwochen des Landkreises hinzuweisen. „Wir möchten den großen Wert unserer Produkte herausstellen.“
In Sachen Wild gelang das an diesem Tag auf ganzer Linie. Beginnend mit dem Hinweis von Gerhard Forster, dass er in dieser Woche wieder einen Damhirsch „vom Feld gegenüber“ bekomme und endend mit der Aussicht, dass die Maronen in der Suppe bald von eigenen, vor wenigen Jahren selbst gepflanzten, Esskastanien stammen werden.
Eine Einstellung, die Landrat Schwarz als „einfach klasse“ einstufte und ihn animierte, den Bogen weiter zu spannen. „Das ist regionale Wertschätzung par excellence.“ Erzeugung beziehungsweise Produktion oder eben auch Abschuss hier, Weiterverarbeitung und schließlich Veredelung durch die Gastronomie. „Das ist es etwas Besonderes und macht die Region aus.“ Dem Fleisch attestierte er, Ergebnis der ursprünglichsten Form der natürlichen Haltung zu sein. Sein Dank galt folglich den Jägern, die er als Partner bezeichnete.
Gerhard Forster freute sich, dass „sein“ Gasthaus Einkehr nach den Lammwochen vor einigen Jahren nun mit Wild dran war. „Die Spezialitätenwochen sind eine gute Sache“, rückmeldete er und verriet, dass Wildschweinbraten deutlich weniger nachgefragt werde als Reh. „Davon könnte ich oft mehr brauchen.“ Weil er aber regional (Rehwild in Massendorf und Obersteinbach, Schwarzwild im Revier Spalt Nord) kauft, gelte „wenn aus, dann aus“. Einzige Ausnahme: Über einen Bekannten aus Großweingarten, der im Allgäu auf die Jagd geht, komme er gelegentlich mal an eine Gams. „Für die hab‘ ich sogar Stammkunden.“
Der Einladungskreis sollte sich in den Gesprächen zwischen den Gängen als gut gewählt erweisen. So hatten Ludwig Schmidbauer, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und zugleich erstmaliger Gast, und das weibliche Führungsduo an den Spitzen von der BJV-Kreisgruppe Roth-Hilpoltstein sowie der Jägervereinigung Roth-Schwabach, Stefanie Schmauser und Katharina Stolz, sofort gemeinsame Themen. Neben dem Wert von Wildfleisch aktuell natürlich eines: Die Vegetationsgutachten, die demnächst veröffentlicht werden und die als Grundlage für Abschusszahlen bilden. Mit dem Spalter Bürgermeister Thomas Peitz war es gleichermaßen leicht, ins Gespräch zu kommen. Der traumhafte Herbsttag mit blauem Himmel und leuchtend glänzenden Bäumen schrie geradezu nach einer Ode ans Hügelland. Traumhaft. Und: „Güsseldorf ist kulinarisch und landschaftlich immer eine Reise wert.“
Zwei Gäste waren mehr als überrascht, als sie realisierten, dass sie zur „Prominenz“ gehören. Jörg Reithelshöfer, dem ausgelosten Sieger der „Genießer-Tour 2025“, und seine Frau Bettina. Zwar hatte der Schaftnacher seine Gewinnkarte vorwiegend mit Karpfen-Stempeln gefüllt, freute sich aber sehr über die kulinarische „Horizonterweiterung“. Das Ehepaar erhielt einen 50 Euro-Gutschein „vom Döllinger“ in seinem Heimatort und eine Portion Kürbiskerne vom Hof Schnell.
Kristina Leng von der Kreisentwicklung, die die Auftaktveranstaltung organisiert hatte, nutzte die Gelegenheit, um für die aktuelle Genießer-Tour die Werbetrommel zu rühren. Einsendeschluss ist der 31. Dezember, mitmachen kann, wer sich vier Mal schlemmen (Karpfen, Lamm, Wild und Fisch) hat bestätigen lassen. Weitere Infos dazu sowie eine Liste der teilnehmenden Gasthäuser gibt es untenstehend.
Wer für die Eröffnung auf den klassischen Rehrücken – schließlich Premium – getippt hatte, lag richtig. Zumindest zum Teil. Bewusst packte Gerhard Forster einige Löffel Rehragout mit auf den Teller. „Um die Vielseitigkeit zu zeigen.“ Umgarnt wurde der Hauptgang – zu dem es Pilze, Gemüse und Blaukraut gab – von einer herbstlichen Maronensuppe sowie einem ebenso zur Jahreszeit passenden Apfelstrudel.
Einmütiges Urteil: Große Klasse, was für ein Genuss und was für ein perfekter Start in die Wildwochen!