
Die Schule von morgen
Fachleute und Interessierte, wie Lernen in der Zukunft aussehen kann
Stand: 12.02.2026
Es ist ein Satz gewesen, der wie ein Weckruf durch die prachtvollen Räume der Residenz Hilpoltstein hallte: „Eigentlich halte ich mich im Klassenzimmer am wenigsten gerne auf“, gestand ein Gymnasiums-Schülersprecher offen. Eine Aussage, die – unbedarft und spontan in einer Gesprächsrunde getätigt –punktgenau den Kern des Fachtags unter dem Titel „Schule als Lern- und Lebensraum“ traf. Nicht die einzige Idee des Tages.
Rund 70 Fachkräfte aus Schule, Jugendhilfe und Verwaltung sowie Interessierte waren zusammengekommen, um eine Institution kritisch zu beleuchten, die im Alltag oft noch zu sehr ein funktionaler Lernort und zu wenig als inspirierender und motivierender Lebensraum ist.
Dass sich etwas ändern muss, darüber herrschte unter Experten, Lehrkräften und politisch Verantwortlichen Konsens. Landrat Ben Schwarz brachte die strategische Bedeutung im Podiumsgespräch auf den Punkt: „Bildung ist unsere wichtigste Ressource. Wenn die Umgebung nicht passt, wie soll dann das Miteinander funktionieren?“ Es gelte, den Kindern und Jugendlichen das beste Rüstzeug mitzugeben. Dazu müsse man bereit sein, das Thema so umfänglich zu sehen, wie es ist. „In Grundschulklassen werden mehr Fremdsprachen gesprochen als in manchem DAX-Konzern.“
Hinzu komme, dass die jungen Menschen immer mehr Zeit in Schulhäusern verbringen würden, es ginge um nichts Geringeres als die Gestaltung von Lebensbereichen. Er brach eine Lanze für offenes Denken. „Ein ,früher war alles besser‘ können wir uns in der Bildung nicht leisten.“
Wie sich das Verständnis von Schularchitektur schon gewandelt hat, zeigte Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp: Er zeichnete er die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre nach – weg von der starren „Flurschule“ hin zu unterschiedlich ausgestalteten Lernlandschaften. Auf großes Interesse trafen seine Erkenntnisse aus der Praxis. Auch Raumgestaltung unterliege einem Lerneffekt, betonte er. Manches habe sich bewährt, anderes weniger. Stück für Stück hätten sich auch Planer und Teams an gute Lösungen heranarbeiten müssen.
Dennoch ist in vielen Schulen die Realität ernüchternd. Dr. Christian Hilz, Mit-Ideengeber und Initiator eines Innovationsklassenzimmers, das genau diese Ansätze umsetzt und als Prototyp in Schnaittach steht, mahnte mit Blick auf die Gesundheit aller Beteiligten: „Im Sinne aller Lehrenden und Schülerinnen und Schüler müssen wir dringend an der Gestaltung der Lern- und Lebensräume arbeiten!“ Der Gredinger Unternehmer untermauerte seine Forderung mit dem Hinweis auf die oft unterschätzte Lärmbelastung. Studien belegen, dass der Schallpegel in schlecht gestalteten Klassenzimmern regelmäßig Werte wie in einer voll besetzten Bahnhofshalle erreicht – eine Belastung, die das Stresslevel messbar erhöht, das Lernen verhindert und langfristig die Gesundheit gefährdet.
Trotz der spürbaren Last und des Drucks, unter dem viele Schulleitungen und Schulfamilien stehen, war die Stimmung in der Residenz von einer großen Portion Optimismus geprägt. Schulamtsleiterin Antje Döllinger versuchte, die Komplexität der Aufgabe herunterzubrechen: „Lassen Sie uns im Kleinen beginnen.“ Auch Johanna Etzold, eigens aus Berlin angereiste Referentin, zeigte sich beeindruckt von der Energie vor Ort: „Ich freue mich zu sehen, wie motiviert hier an diese Aufgaben herangegangen wird.“
Im Verlauf des Tages verlagerte sich das Geschehen aus dem Plenum in insgesamt neun Workshops. Hier wurde deutlich: Der Landkreis Roth und die Stadt Schwabach sind in dem Transformationsprozess kein unbeschriebenes Blatt. Viele Schulen haben bereits innovative Wege eingeschlagen, sei es durch flexible Raumkonzepte, partizipative Projekte oder neue pädagogische Ansätze. Doch im Austausch wurde auch klar: viele Beteiligte kämpfen mit ähnlichen Hürden. „Es ist gut zu hören, dass man mit seinen Schwierigkeiten nicht alleine ist“, resümierte eine Teilnehmerin sichtlich erleichtert.
Am Ende des intensiven Tages, den Bildungsbüro, Jugendamt sowie die Schulämter Landkreis Roth und Stadt Schwabach gemeinsam angeboten hatten - verließen die Teilnehmenden die Residenz mit zahlreichen Impulsen, die weit über bauliche Maßnahmen hinausgingen. Auch die Menschen hinter dem System waren im Blick. Die Förderung der Resilienz im Kollegium und eine moderne Elternarbeit wurden als tragende Säulen identifiziert, um Schule zu einem gesunden und gemeinschaftlichen Ort zu machen. Mit diesem „positiven Schwung“ und vielen konkreten Ideen für Themen wie Partizipation, Demokratie, Wertebildung und soziale Schulentwicklung im Gepäck kehrten die Fachkräfte in ihren Alltag zurück – mit dem klaren Ziel, dass das Klassenzimmer bald nicht mehr der Ort ist, an dem man sich am wenigsten gerne aufhält.