Der Landrat und der RH 14

Oder ist da etwa noch mehr? Eine Spurensuche in Sachen Fahren und Gefahrenwerden
Stand: 16.09.2026

„Was fahren Sie?“ Es war eine ungewöhnliche Anfrage, die Landrat Ben Schwarz da kürzlich erreichte. Der wiederum könnte sich an diesem Punkt entspannt zurücklehnen und sagen „ich lasse fahren“. Wer den Landratschef aber kennt, weiß: Er nutzt dieses Privileg, aber nur mit angezogener Handbremse.

Ben Schwarz sitzt viel selbst am Steuer, um offizielle Termine wahrzunehmen. Unterwegs ist er dann mit einem grauen VW 2.id 4 (voll elektrisch), Kennzeichen RH-RH … und damit gleicher unter gleichen, Fingerabdruck inklusive. RH-RH steht für das Amt, zu dessen Flotte aktuell rund 25 Pkws gehören, elf davon sind E-Autos. Nicht mitgerechnet Fahrzeuge, die bestimmten Fachbereichen fest zugeordnet sind wie Asylhausmeistern, Bauhöfen, Gärtnern, zudem gibt es Lieferwägen…

Für weite Strecken – in einem Flächenlandkreis logisches Mitgebsel – nimmt er lieber im Dienstfahrzeug vorne rechts Platz und verlässt sich auf Klaus Hausmann, seit Januar Cheffahrer. Der „darf“ auch ran, wenn der Politiker – was durchaus häufig vorkommt – nach Nürnberg, München oder Tagungen und Sitzungen in ganz Bayern muss.

Dann ist die Zeit im Auto wertvoll: Ben Schwarz kann auch wichtige Telefonate konzentriert führen, Mails bearbeiten, sich einlesen oder – bei 80 Stunden-Wochen sollte das drin sein – auch mal fünf Minuten die Augen zu machen.

„DAS“ Landratsauto ist ein schicker und funktionaler, weißer 5er-BMW. Geleast, „die Bedingungen sind sehr gut“, erläutert Klaus Hausmann. Im Schnitt sammelt er rund 800 Kilometer pro Woche, 25.000 der 40.000 für ein Jahr hinterlegten Kilometer hat er schon auf dem Tacho – gesammelt weitmöglichst elektrisch (in und um Roth ausschließlich). Der Wagen ist ein Hybrid, also eine Kombination aus Verbrenner und Elektro.

„Dabei wären 100 Prozent Elektro zweifelsohne wünschenswert“, unterstreicht Ben Schwarz. Allerdings lasse das die Infrastruktur speziell für „seine“ Anforderungen leider noch nicht zu. Eine Erkenntnis, mit der er nicht nur in Politikerkreisen nicht alleine ist: Lange Wege und Ladezeiten, enge Termintaktung…

Seinen Dienstwagen sieht er als zusätzlichen Arbeitsplatz, er ist dankbar, auf Hin- oder Rückfahrten Dinge regeln zu können. Woran in der Familienkutsche – auch die gibt es bei drei Kindern selbstverständlich noch – nicht zu denken ist.

Klaus Hausmann bezeichnet sich selbst als „alles andere als einen Autonarren“, ist aber gerne unterwegs und scheut auch kein noch so hohes Verkehrsaufkommen. Die Zweckmäßigkeit und den Komfort des Fahrzeugs genießt er. Das passt im Übrigen „gerade so“ in die Landratsamts-Garage. „Ich bin jedes Mal heilfroh, wenn ich es heil drin oder raus habe“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Der Großweingartener sieht in dem RH-RH 14 mehr als ein Transportmittel. „Es ein neuer Raum, ein Rückzugsort für den Landrat.“ Bedeutet: Dort prasselt nicht ständig Neues auf ihn ein, dort herrscht je nach Bedarf Stille, eine aufgelockerte Stimmung oder es ist der richtige Rahmen für einen Gedankenaustausch zu ernsten Themen. „Ich versuche, das der Situation entsprechende Rundumsorglospaket zu bieten.“

Als „Gegenleistung“ gibt es für ihn mehr als einen Gehaltscheck. „Ich durfte bei vielen tollen Terminen hautnah dabei sein“, sagt der dreifache Familienvater dankbar in Richtung Ben Schwarz. Ein Highlight war für ihn das gemeinsame Kunstprojekt von Regens Wagner Zell und den Malern von Spectrum, „einfach klasse“. Wie er überhaupt seit Jahresbeginn immer wieder zu der Erkenntnis gekommen ist, dass „wir ein toller Landkreis sind“.

Hausmann betrachtet es als Wertschätzung, dass er „seinen“ Landrat bei Veranstaltungen, wann immer es passt, im Hintergrund begleiten darf. „Es ist schön, mit hereingebeten zu werden.“ Oder das ein oder andere besondere Ambiente aufzusaugen. Im Gegenzug sieht er sich dann bei derartigen Gelegenheiten als zusätzlichen Landkreis-Botschafter.

Warum eigentlich RH 14? „Keine Ahnung“, antwortet Hausmann mit einem breiten Lächeln „Vielleicht, weil das unspektakulär und aufgeregt ist und damit dem Wesen des Landrats und dem seines Vorgängers entspricht, mutmaßt Hausmann. Das kann er sagen, hat er doch er in den vergangenen Monaten Kollegen kennengelernt hat, deren Chefs Wert auf BMWs der 7er Reihe oder vergleichbare Audis sowie Kennzeichen wie LK 1, LKR 1 oder entsprechende örtliche Kombinationen legen.

Dabei muss sich der RH 14 mit knapp 500 PS unter Einbeziehung des Elektroantriebs wohl kaum verstecken. Aber was sind schon Kennziffern – der Weg (im Auto) und das Ziel (Menschen treffen, ihnen zuhören) ist das, was zählt…

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