

„Größtmögliches Gleichgewicht“
Monika Volk ist die neue Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises – Ein Portrait
Stand: 20.09.2026
Schon der erste Blick verrät viel. Das Büro von Monika Volk im Rother Landratsamt ist „anders“. Aus gutem Grund: Die 59-Jährige ist die neue Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und hat damit einen speziellen Auftrag, der sich gerne widerspiegeln darf. An der einen Wand sind bunte Sprüche gerahmt, auf dem Tisch steht eine orangene „Zonta“-Figur, daneben liegt ein Mini-Buch mit dem Titel „Armut, die. (weiblich)“.
Als Landrat Ben Schwarz zu diesem greift, kommt ihm – gewissermaßen als Sinnbild für die gesamte Thematik - schnell eine zweiseitige Medaille in den Sinn: Einerseits sei es traurig, dass es diese Stelle gebe/geben müsse, andererseits brauche es sie, weil es in Sachen Gleichstellung im Alltag viel zu viele Dinge gebe, die selbstverständlich sein sollten, es aber nicht seien. „Da müssen wir klare Kante und Gesicht zeigen.“
Monika Volk hat genau das vor. Schon in den 1980er-Jahren war sie in der Frauenbewegung aktiv, um nicht zu sagen, sie wurde in dieser sozialisiert. Heute und mit der neuen Aufgabe schließt sich da ein Kreis. Dank ihrer drei Töchter ist sie zudem hautnah an dem dran, was junge Frauen heutzutage bewegt. „Bei uns zu Hause waren wir schon immer ein Haushalt, in dem viel geredet wurde.“ Das Aufschlussreiche für sie: „Die Themen, über die wir sprechen, ähneln denen von vor 30 Jahren.“ Was im Umkehrschluss bedeutet: Es hat sich (zu)wenig geändert in all diesen Jahren. „Dabei waren wir schon mal auf einem anderen Weg“, meint sie.
Ungleichbehandlung habe viele Gesichter, oft verstecke sie sich hinter einem anderen Phänomen. Folglich sieht sie eine ihrer ersten Aufgaben darin, zu sensibilisieren. Und mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass das „ein Frauending“ sei. Insofern gefällt ihr die Idee von Landrat Ben Schwarz, ihr Sachgebiet „Amt für Chancengleichheit“ zu nennen, und um den Bereich Inklusion zu ergänzen, sehr gut. Schließlich umfasse der Begriff alles: Religion, Hautfarbe, Geschlecht…. Folglich sollen und dürfen sich auch alle angesprochen fühlen. „Und auf mich zukommen“, ermutigt sie mit einem Lächeln.
Und zwar gerade auch „außerhalb“ der Amtsmauern, denn eine Gleichstellungsbeauftragte (die eine Gebietskörperschaft wie ein Landkreis im Übrigen kraft gesetzlicher Vorgabe haben muss) ist nicht nur für die Behörde zuständig, sondern auch für die Bürger. Etwas, das die wenigsten wüssten und was sie dringend ändern möchte, unterstreicht Volk. Denn mitunter kann sie sogar praktisch helfen, indem sie Betroffenen Wege aufzeigt oder sie sogar (in einem gewissen Rahmen) begleitet.
Themen hat die 59-Jährige schon ausgemacht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa. Auch das Phänomen Altersarmut bei Frauen beschäftigt sie – zumal diese zu großen Teilen auf genau jener Chancenungleichheit fuße. Das möchte die Büchenbacherin im kommenden Jahr zum Schwerpunkt machen. Wiederbelebt werden soll zudem unbedingt der Runde Tisch "häusliche Gewalt", an dem sich Vertreter von Polizei bis Gesundheits- und Sozialamt und Beratungsstellen austauschen.
Die vergangenen Monate – offiziell hat sie die neue Stelle am 1. April angetreten – waren geprägt vom „Hineinfinden“, Informationen sammeln, zahlreichen Gesprächen, aber auch von Fortbildungen und Netzwerkarbeit, „wohl eine der wichtigsten Aufgaben“. Obwohl das anstrengend war und eine Menge Neues auf sie einprasselt, hat Monika Volk jetzt schon das Gefühl, dass "das genau mein Ding ist“. Und sie erfährt eine Menge Bestätigung, Tenor: „Das ist das Richtige für dich!“
Ihr Weg zur Gleichstellungsbeauftragten war alles andere als gerade. Die studierte Ökotrophologin arbeitete an wissenschaftlichen Projekten im In- und Ausland – unter anderem ein Jahr in Chile. Dann kamen die Kinder und nach ihnen das, was man einen „schwierigen Wiedereinstieg“ nennen würde und gegen den sie heute eintritt. Überqualifiziert für den einen Job, jahrelang draußen für den anderen. „Das hat mir zu schaffen gemacht“, gibt sie offen zu.
Volk selbst hielt sich mit Forschungsarbeiten über Wasser, ehe sie über ihr ehrenamtliches Engagement als Familienpatin und Lehrerin für Deutsch für Flüchtlinge (mittlerweile gehörte ein afghanischer Pflegesohn zur Familie) eines Tages von einer Mitarbeiterin des Landratsamts gefragt wurde, ob sie sich nicht eine Tätigkeit als Sozialbetreuerin vorstellen könne. Konnte sie…
Mehr noch. Diese Aufgabe hat sie im positiven Sinne so mitgerissen, dass sie nebenbei Migrationsmanagement studiert hat. Und heute noch sagt, dass „es immer Spaß gemacht hat“. Trotz Anstrengungen. Wäre die Gleichstellungsstelle nicht gekommen, „hätte ich das andere mit vollem Herzblut weitergeführt“.
Als diese zu Jahresbeginn ausgeschrieben wurde, schlugen zwei Herzen in ihrer Brust. Letzten Endes aber überwog der Wunsch, Frauen und all denen, die es brauchen, eine Stimme zu verleihen und im Großen und Ganzen mehr bewegen zu können. Bereits in den vergangenen Wochen hat sie immer wieder vernommen, dass Menschen sich in ihren Bedürfnissen nicht gesehen fühlen. „Zuhören ist ganz wichtig.“
Ihr Ziel ist es, ein größtmögliches Gleichgewicht herzustellen. Auch in der Behörde, dafür will sie sich die Verteilung von Teilzeit- und Vollzeitstellen sowie die Zahl der Frauen in Führungspositionen anschauen. „Gleichstellung ist schließlich ein gesetzlicher Auftrag“, führt sie vor Augen.
Für sie persönlich, aber auch für ihre die Arbeit, ist der Zonta Club ein wichtiger Baustein. Diese weltweite Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Zukunftschancen von Frauen und Mädchen zu verbessern. „Ich ziehe viel Kraft aus den Treffen“, erzählt Monika Volk, die sich seit zwei Jahren engagiert. Ihre Augen funkeln, wenn sie von einem Kongress in Kopenhagen mit rund 300 Teilnehmerinnen berichtet. Da sei ein „wahnsinniger Spirit“ zu spüren gewesen. Diesen Schwung möchte sie in ihre Tätigkeit mitnehmen.
Da stehen bald die ersten Bewährungsproben an. Initiiert werden soll besagter „Runder Tisch Häusliche Gewalt im Landkreis “, Traditionell am Buß- und Bettag steht die Kinderbetreuung im Landratsamt an. Dann - da spannt sich der Bogen zurück zum Zonta Club – gibt es am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, wieder eine Bäckertütenaktion, dieses Mal am Rother Marktplatz.
Zwar erlebe sie durchaus Solidarität unter Frauen, „aber da ist noch Luft nach oben“. Auch dafür will sich die begeisterte Tänzerin (Flamenco, Salsa, Boogie mit ihrem Mann), die lange Waldspaziergänge liebt und viel liest, einsetzen. „Eine wichtige Aufgabe“, nennt Landrat Ben Schwarz die Stelle, die vor fast genau 30 Jahren im Amt geschaffen wurde. An Bedeutung habe sie nicht verloren, sagt er überzeugt.
Auch Monika Volk glaubt, dass „wir schon mal weiter waren“. Sie meint damit die 1980er- und 90er-Jahre, als das Thema „irgendwie präsenter“ war. Klingt, als gäbe es für „die Neue“ eine Menge zu tun…
Gut zu wissen: Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann ist nach Artikel 3 des Grundgesetzes garantiert. Um diesen Auftrag zu erfüllen, hat der Freistaat zum 1. Juli 1996 das Bayerische Gleichstellungsgesetz erlassen, das die Bestellung einer Gleichstellungsbeauftragten verbindlich vorschreibt. Diese ist innerhalb und außerhalb der Verwaltung tätig. Monika Volk ist unter den untenstehenden Kontaktdaten erreichbar.
Gleichstellungsstelle
Frauen, Männer, Menschen und deren Rechte: Das ist es, was die Arbeit der Gleichstellungsstelle ausmacht.