
Geschenkte Zeit
Am 1. Oktober startet im Landkreis ein Gemeinschaftsprojekt, das Schwerstkranken und Sterbenden zum Wohl gereichen wird
Stand: 13.09.2026
Es sind „nur“ drei Buchstaben, doch werden sie für viele Menschen bald ein Segen sein. ZiB steht für zeitintensive Betreuung. Und zwar genau dann, wenn sie besonders nötig ist – am Lebensende. Um das zu gewährleisten, haben sich einige Menschen mächtig ins Zeug gelegt und ein Projekt an Land gezogen, das genau diese in Pflegeheimen ermöglicht.
Die Idee ist einfach: Ausgebildete Palliativ-Fachkräfte bekommen zusätzliche Arbeitsstunden für das Kümmern um Schwerstkranke und Sterbende. Möglich wird das durch Förderungen durch das Bayerische Gesundheitsministerium sowie der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung, einem Hospizverein als Arbeitgeber und der Bereitschaft der Pflegeheime, selbst zehn Stunden beizusteuern.
„Unsere Häuser waren total aufgeschlossen“, erzählt Claudia Schwab, die zusammen mit Hedda Spiers ZiB beim Rother Hospizverein verantwortet. So kommt es auch, dass der Landkreis mit gleich vier teilnehmenden Heimen – Caritas Spalt, BRK Heideck sowie die AWO-Einrichtungen in Roth und Hilpoltstein - eine bayernweite Spitzenposition einnimmt. Im Schnitt seien es zwei pro Hospizverein, „wir wollten aber kein Heim ablehnen“.
Auch die Suche nach geeigneten Pflegekräften – zwei pro Einrichtung - gestaltete sich leicht. „Alle sind hoch motiviert“, berichten die beiden Fachfrauen. Eine Interessentin möchte zugunsten der Sterbebegleitung sogar ihre regulären Stunden reduzieren. „Das ist schon ein starkes Signal“, meint Hedda Spiers anerkennend.
Vor rund fünf Jahren hatte der Rother Verein schon einmal mit dem Projekt geliebäugelt, berichtet Vorsitzender Klaus Rettlinger. Damals aber hätten die personellen Ressourcen gefehlt. Durch die Kooperation mit der Gesundheitsregion plus in Person von Geschäftsführer Günther Wittmann ist das nun anders. Er war das Bindeglied zu den Fördermitteln des Freistaats und koordinierte auch den Wechsel von Hedda Spiers von der Stelle der Netzwerkkoordinatorin Hospiz im Landkreis zum Hospizverein.
Das Modell sieht vor, dass die ZiB-lerinnen (aktuell sind es im Landkreis nur Frauen) 20 Stunden pro Monat über den Hospizverein angestellt werden und zehn vom Pflegeheim. Weil aber in ihnen oft wenig Zeit oder Raum für die Erfüllung individueller Bedürfnisse.
„Geschenkte Zeit für diejenige, die Zuwendung am nötigsten haben“, bringt es Hedda Spiers auf den Punkt. Die könne und dürfe mit Allem gefüllt werden. Ein Eis essen, reden, Fotoalben anschauen, verstorbene Familienangehörige auf dem Friedhof besuchen, „eben das, was der Patient möchte.“ Für das Team des Hospizvereins ist das Projekt nur eine logische Folge der Entwicklung. Immer mehr Menschen verbringen ihre letzte Lebensphase in Pflegeheimen.
Dem Verein fällt neben der Rolle als Arbeitgeber (auf Basis geringfügiger Beschäftigung) eine weitere wichtige zu. Weil ja auch die Zeit der ZiB-Kräfte beschränkt ist, sind die mehr als 50 ehrenamtlichen Hospizbegleiter weiterhin gefragt. Die „im Übrigen jeder rufen darf“, macht Klaus Rettlinger deutlich, dass „wir für alle da sind“. Schon jetzt sind die entsprechend geschulten Frauen und Männern viel in den Heimen und gerne gesehen. „Wenn wir die Kranken betreuen, kann das Personal schon was anderes machen“, verdeutlicht er.
Die Verantwortlichen sehen einen weiteren Vorteil in dem ZiB-Projekt. „Es wird sicher dazu beitragen, dass ins Bewusstsein rückt, dass jeden Tag Menschen in Altersheimen sterben.“ Und: „Im Grunde wird die gesamte palliative Versorgung im Landkreis auf neue Beine gestellt.“
Denn klar ist auch: Zwar ist das Projekt zunächst auf ein Jahr angelegt (so lange ist die Finanzierung gesichert), soll aber nach den Wünschen aller Protagonisten weitergeführt werden. Günther Wittmann ist überzeugt, dass „nicht die beteiligten Einrichtungen profitieren, sondern alle Menschen im Landkreis.“ Zudem denkt er, dass die Vernetzung aller relevanter Akteure vorangetrieben wird, was wiederum zu einer (noch) besseren Betreuung führen wird. „Und sicher werden die ZiB-lerinnen selber als Multiplikatoren wirken“, ergänzt Hedda Spiers.
Das belegen Erfahrungen aus anderen Regionen, in denen ZiB schon gestartet ist. Dort seien unter anderem die Zahl der Krankenhauseinweisungen gesunken, Hausärzte berichten von Entlastungen, da Fragen oft direkt in der Einrichtung geklärt werden können, was dem enge(re)n Kontakt zum Patienten, dem Fachwissen und den Erfahrungen der Palliativ-Kräfte geschuldet ist.
Wenn Claudia Schwab und Hedda Spiers über das Projekt sprechen, wird sofort klar: Das ist kein Arbeitsauftrag, das ist eine Herzensangelegenheit. Hätten beide die Wahl, würden sie ihren Schreibtisch wohl sofort gegen einen Einsatz in einem Heim tauschen. Apropos tauschen. Sobald die Fachkräfte in Sachen ZiB unterwegs sind, tragen sie andere Kleidung, ein blaues ZiB-Shirt, das zeigen soll: Jetzt ist eine besondere Zeit. Zeit der Zuwendung, des Zuspruchs
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