Gemeinsam Vorsorgen

Im Landratsamt fand kürzlich die erste Regionalkonferenz als Kick-off-Veranstaltung für den Bayerischen Masterplan Prävention statt
Stand: 11.06.2026

Das Ziel ist klar: Gesundheit fördern, und das bayernweit. Damit das gelingt, braucht es regionale und lokale Partner und Angebote. Die zu erfassen, zu bündeln und neue zu schaffen, war ein erstes Ziel der Präventionskonferenz, zu der das Gesundheitsamt und die Gesundheitsregion plus kürzlich ins Landratsamt eingeladen hatte. Dabei wurden vor allem zwei Dinge deutlich.

Zum einen: Es braucht mehr niederschwellige Angebote und sie müssen bekannter werden. Zum anderen: Vernetzung ist ganz wichtig. Bereits im Kleinen zeigte sich, dass viele Protagonisten, die Programme der anderen nicht kannten. „Dabei können wir im Austausch viel voneinander lernen und auch Inhalte abstimmen“, meinte eine Teilnehmerin. Deswegen wird bei einer Folgeveranstaltung mehr Zeit für Gespräche eingeplant werden. Dass es die geben wird, steht nach den Rückmeldungen im Grunde schon fest. „Wir waren nicht nur von den Anmeldezahlen, sondern auch dem Feedback sehr positiv überrascht“, sagt Maria Jörg, die von Seiten des Gesundheitsamtes die Organisation übernommen hatte.

Die Wahrnehmung der mehr als 50 Teilnehmer deckt sich mit dem, was sie aus ihrer täglichen Arbeit kennt. „Viele Bürger im Landkreis und der Stadt Schwabach wissen nicht, was es überhaupt gibt. Die zu erreichen, wird eine der großen Herausforderungen werden.“

Denn klar wurde auch: Wer an Prävention spart, verursacht Jahre später riesige Mehrkosten. Zahlen zu dieser Aussage hatte Professorin Dr. Ina Zimmermann parat, die den Nachmittag mit einem Impulsvortrag einleitete. Sie zeigte eindrucksvoll auf, wie Bildung(sniveau), Armut und Gesundheitswissen zusammenhängen und schaffte es zudem, jeden Einzelnen zu motivieren.

„Was haben Sie denn heute schon für Ihre Gesundheit getan?“, war eine ihrer Schlüsselfragen, deren Beantwortung Überraschendes zu Tage förderte. Weil der Großteil der mehr als 50 Frauen und Männer zwar Etwas für andere getan hatte (ein gesundes Pausenbrot geschmiert, zum Stadtradeln gratuliert), sich selbst aber außen vorgelassen. Zugleich gelang es der Referentin, Lust auf das Thema als solchem und auf Engagement in ihm zu machen.

Ein weiterer wohlgemeinter Hinweis ihrerseits, untermalt durch ihre Rolle an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg: „Richten Sie Ihren Fokus nicht auf das Große-Ganze, das könnte einen erschlagen, sondern suchen Sie sich ein oder zwei Punkte aus, die für Sie relevant sind und die Sie gestalten können.“ Ein Gedanke, den Maria Jörg und Günther Wittmann, Geschäftsführer der Gesundheitsregion, teilen und gerne weiterverbreiten. „Lieber ein kleines Projekt angehen.“ Eine Stunde Bewegung, sich treffen, reden… „auch das ist Prävention“, unterstreicht Wittmann.

Deren Bedeutung strichen sowohl Landrat Ben Schwarz (per Videobotschaft) als auch Schwabachs Oberbürgermeister Peter Reiß in ihren Grußworten heraus. Prävention sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte Schwarz, der der ermutigte, dass „kleine Schritte oder Dinge schon etwas bewirken können.“ Wie frische Luft oder ein paar Schritte in der Mittagspause. Gleichsam sah er die Kommunen in der Pflicht, die für Angebote sorgen müssten, die „wirklich jeder ohne weiteres wahrnehmen kann“. Den Teilnehmern dankte er, dass die das Ziel „mehr Gesundheit, mehr Zufriedenheit“ aktiv mitgestalten wollen und sich dafür engagieren.

Peter Reiß zeigte sich überzeugt, dass dank der Veranstaltung, dem Gestaltungswillen und dem Einsatz der Menschen das Thema Prävention in der Region weiter vorangebracht würde. Gesundheit und Prävention seien zentrale Zukunftsbausteine Der Schwabacher OB nutzte die Gelegenheit, das enge Zusammenspiel und die gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Stadt in den vergangenen Jahren speziell im Gesundheitssektor zu betonen. „Wir haben dank zahlreicher Akteure aus unterschiedlichen Bereichen viele wichtige Entwicklungen auf den Weg gebracht.“ In dem nun angestoßenen Pool sah er eine große Chance, sich gemeinsam weiterzubilden, Qualifikationen auszubauen und tragfähige Netzwerke zu schaffen.

Das Publikum – von Sportvereinen mit BLSV-Kreisvorsitzendem Christian Kuhnle an der Spitze - über Krankenkassen, Vertretern von Kinder- und Jugendarbeit, Seniorenbeauftragten, sozialen Einrichtungen, Politik (Bürgermeister und Rathausmitarbeiter) Wohlfahrtverbänden bis zu Kindergärten und Schulen und Beratungsstellen – jedenfalls zeigte sich froh über die neue Plattform. Wie auch über die Chance, die sich seiner Meinung nach durch die neue Plattform bietet, de das Bayerische Sozialministerium aktuell speist und das Anbieter und Suchende zusammenbringen soll. Die Idee: Alle nicht-kommerziellen Anbieter von Präventionskursen oder -leistungen können sich kostenlos registrieren (Link untenstehend) und werden dann von Interessierten gefunden – diese erhalten Informationen über Ort, Art des Angebots und den Anbieter und somit über die regionale Präventionslandschaft. Die Homepage soll Informationen für Fachkräfte, Multiplikatoren und Bürger bieten, ist die Idee des Ministeriums. Maria Jörg bricht die Anforderungen herunter. Wichtig sei es nun, dass sich viele registrieren, um die Präventionslandschaft Bayern vor der Haustür sichtbar zu machen. Sie lebt davon, dass Menschen sich eintragen.

Gleichzeitig nimmt sie die Scheu. Das sei natürlich ein gewisser Mehraufwand, allerdings werde es oftmals wohl reichen, auf die eigene Homepage zu verweisen. „Aber wir leben schließlich auch von der Sichtbarmachung.“

In drei Workshops wurden schließlich Schwerpunkte abgearbeitet. Diese lauteten „Gesund aufwachsen im Kindes- und Jugendalter - Angebote entdecken, Lücken erkennen und Perspektiven gestalten“, gesundheitliche Chancengleichheit im Erwachsenenalter (Bedarfsanalyse von regionalen Zielgruppen und Zugangsmöglichkeiten) sowie „Sport vor Ort – draußen, offen, für alle“. Bei allen zeigte sich, dass viele Angebote zu hohen Hürden hätten – Formalitäten, Kosten, Sprache.

Ein konkretes Ergebnis, dass auch die Veranstalter mitnehmen. „Da müssen wir besser werden“, sagt Maria Jörg stellvertretend. Wie das genau aussehen kann und wie es gelingen kann, diejenigen abzuholen, die bisher keinen Zugang fanden, wurde intensiv diskutiert. Das kristallisierte sich als einer der Kernpunkte heraus und ist es nach Meinung aller absolut wert, Energie in dieses Ziel zu stecken. „Das nehmen wir als Auftrag mit“, betont Jörg.

Besprochen wurde auch, wie Kommunen Initiativen und Ziele unterstützen können. Etwa durch niederschwellige Angebote im öffentlichen Raum, ein Projekt, das Günther Wittmann gerade mit der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam Bewegen!“ umsetzt. Die Idee dahinter ist, Begegnung an öffentlichen Plätzen zu schaffen, bei denen einfach jeder spontan, auch in Alltagskleidung, teilnehmen kann.  „Leicht zugängliche Angebote braucht es einfach noch mehr“, betont er. Wie auch an vielen Stellen ein größeres Bewusstsein für die eigene Gesundheit.

Deswegen war die Präventionskonferenz bewusst als Schneeball-System konzipiert. „Wenn jeder Teilnehmer nur einen weiteren Spieler anstupst, der dann wieder…“. Er und Jörg jedenfalls sind mit den Ergebnissen zufrieden. Was die Vernetzung, aber auch Diskussionsbeiträge und Lösungsansätze betrifft. „Da waren viele Ansätze dabei, auf deren Basis wir weiter machen können.“

Dazu trug auch die kleine „Ausstellung“ bei, mit der das Landratsamt einen Überblick über eigene Präventionsangebote gab. Die soll bei einer Neuauflage ausgeweitet werden, schließlich regte sie doch so manches Gespräch an und sorgte für Inspiration und Ideenaustausch.

Weiterführende Informationen (extern)

Presseanfragen

Anschrift

Weinbergweg 1
91154 Roth