Betreuen bedeutet Verantwortung

Aus diesem Grund bietet das Landratsamt den Betreuern dieser Gruppe regelmäßig Fortbildungen und Austausch an – diesmal ging es unter anderem um Migration und Demenz
Stand: 31.05.2026

Ihre Verantwortung: groß. Ihre Aufgabe: oft unterschätzt. Nur zwei Gründe, warum das Landratsamt versucht, Betreuern die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Wie die konkret aussieht, haben uns Dr. Stefan Schmitzer und Stefan Holzapfel erklärt.

Beim Betreuungsgericht Schwabach sind knapp 1800 Betreuungsverfahren für den Landkreis Roth registriert. Allein im Jahr 2025 wurde in 469 Fällen von Richtern, Betreuungsstelle und Gutachtern geprüft, ob jemand einen Betreuer an seiner Seite benötigt. Oftmals sind es Berufsbetreuer, die dann eintreten, wenn kein Angehöriger zur Verfügung steht. Eine Betreuung kann umfassend oder auf Teilbereiche wie Gesundheit, Aufenthalt und Vermögen beschränkt sein.

„Es geht um höchstpersönliche Güter“, ordnet Dr. Stefan Schmitzer, Leiter des Gesundheitsamtes, an dem die Betreuungsstelle angesiedelt ist, ein. „Und damit um hochsensible“, ein Attribut, das zudem für den Umgang gelte. Er schätzt, wie seine Mitarbeiter diesen Spagat händeln. „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.“

Aber auch Wissen. Daher haben sich die Betreuerstammtische, zu denen das Amt seit längerer Zeit einlädt, mehr als bewährt. Der jüngste hatte gleich zwei Schwerpunkte, interkulturelle Aspekte und den Umgang mit demenziell Erkrankten. „Wir versuchen, auf aktuelle Themen und Entwicklungen einzugehen“, erklärt Stefan Holzapfel von der Betreuungsstelle die Themenwahl. Zusätzliches Argument: Die Zahl der Menschen im Betreuungsverfahren mit Migrationshintergrund steigt seit Jahren.

Vor diesem Hintergrund erwiesen sich die Einblicke und Beiträge von Ibukun Koussemou, dem Integrationsbeauftragten der Stadt Bayreuth, als noch wertvoller. Sie führten zu einem informativen und ambitionierten Austausch. „Wer aus Benin kommt, denkt anders“, war einer der beispielhaften Impulse in Richtung der Betreuer, die „Geschichte Geflüchteter“ mitzudenken. Bemerkbar mache sich dies unter anderem im Umgang mit Krankheiten, deren Behandlung und unterschiedlicher Sozialisation. „Aspekte, die viele nicht auf dem Schirm haben.“

Bleiben wir in Benin. Dort stehen Gehorsam, Einhaltung von Vorschriften, Übernahme religiöser und traditioneller Werte im Fokus. Kommt jemand aus diesem Land nach Deutschland, erwarten ihn hier Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Verantwortung für das eigene Tun. „Das ist für die Menschen ein Bruch“, ordnen Schmitzer und Holzapfel ein. Etwas, das sie erst verstehen und dann lernen müssen.

Was hilft? „Die eigene Kultur nicht als Norm ansehen“, rät Ibukun Koussemou. Ein Hinweis, den das Duo aus dem Landratsamt unterstreicht und nicht nur an die Betreuer weitergibt, sondern auch im eigenen Haus umzusetzen versucht. Wie einen weiteren Impuls des Bayreuthers: die jeweiligen Familien, aber auch religiöse Hintergründe mitdenken. Neben Dolmetschern und Sprachkursen sind hierbei auch Kulturdolmetscher wertvoll, die helfen, Hürden zu überwinden und Barrieren abzubauen. Von denen würde sich Stefan Holzapfel, zu dessen täglichem Geschäft Fragen rund um die Betreuung zählen, mehr wünschen. „Es wäre schön, wenn wir sie flächendeckend hätten.“ Allerdings scheitert dies, wie vieles, an der Finanzierung.

In Person von Petra Lobenwein konnten die Verantwortlichen für den zweiten Schwerpunkt, den Umgang mit demenziell Erkrankten, eine Fachfrau gewinnen. Auch die stellen eine Gruppe dar, deren Anteil unter den zu Betreuten immer mehr wächst. Lobenwein ordnete zunächst Krankheit und Diagnosen ein und erläuterte dann, was das für Betroffene bedeutet und wie sich Betreuer darauf einstellen können. „Versuchen Sie, ein Netzwerk aufzubauen“, riet sie. Das könne aus Familienmitgliedern, aber auch Nachbarn, Hauswirtschafts- und Pflegedienst bestehen.

Die Mitarbeiterin des Pflegestützpunktes erläuterte aber nicht nur, sie gab auch praktische Hinweise etwa zur Ansprache: „Sagen statt fragen“. Auch solle man genau zuhören und Diskussionen mit den Betroffenen vermeiden. „Der Demenzkranke hat immer Recht.“

Wenn es Zuhause nicht mehr geht, müssen die Betreuer auch über einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung - oder auch die Unterbringung im Bezirkskrankenhaus -nachdenken. „Die Verantwortung ist wirklich groß“, führt Dr. Stefan Schmitzer vor Augen. Zumal sich das Berufsbild gerade stark wandle. Früher umfassten die Beschlüsse der Gerichte oft alle Aufgabenbereiche, heute wird genau geprüft, für welche Bereiche tatsächlich eine Betreuung erforderlich ist.

Herr Holzapfel und sein Chef sehen das im Sinne der Klienten positiv, würde doch genauer auf deren Bedarfe eingegangen. Oftmals tue das auch dem Selbstwertgefühl der Betreuten gut.

Hat ein Richter eine Betreuung angeordnet, bedeutet das im Übrigen nicht, dass diese in Stein gemeißelt ist. Es komme immer mal wieder vor, dass Menschen nach einiger Zeit wieder ohne Unterstützung eines Betreuers zurechtkommen, berichtet Stefan Holzapfel aus der Praxis. Das sei beispielsweise dann der Fall, wenn eine Sucht oder psychisch belastende Phase überwunden wurde.

Der Themenschwerpunkt für den nächsten Stammtisch ist schon anvisiert – gespeist aus den Rückmeldungen und Gesprächen. „Wir werden uns mit den Themen Suizid und Depression auseinandersetzen“, stellt Herr Holzapfel, der mit sechs Mitarbeiterinnen zusammenarbeitet, in Aussicht.

Wenngleich sie vieles nicht zum ersten Mal hörten, zeigten sich die Teilnehmer doch erneut sehr zufrieden mit dem „Workshop“. Der sei „wie eine Auffrischkur“, meinte eine Betreuerin aus dem südlichen Landkreis. Man gehe wieder sensibler an die Tätigkeit. Zudem seien die „Stammtische“ immer ein Motivationskick. Der Austausch tue gut, zumal man erkenne, dass andere sich mit ähnlichen Problemen oder Hindernissen herumschlagen müssen.

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