
Beeindruckende Bildungslandschaft
Delegation aus Luxemburg zeigt sich vom Gymnasium und den Lernorten dahinter beeindruckt
Stand: 22.01.2026
Roth als abschließender Höhepunkt? Eine Rolle, die so nicht geplant war, der Landkreis aber umso lieber annahm.
Einige Tage nämlich war eine gemischte Delegation aus Luxemburg und den Schulentwicklern der Lernlandschaftin der Region unterwegs, um sich Inspiration zu holen. Und die gab es im Gymnasium Roth. Baulich, vor allem aber auch inhaltlich.
Roth war die letzte der Stationen, die die Lernlandschaft den sechs Besuchern aus dem Nachbarland in drei Tagen zeigen wollte. Zuvor standen eine Grund- und Mittelschule in der Oberpfalz, ein Gymnasium in Schwaben sowie eine zur „Lebenswerkstatt“ umdeklinierte Grund- und Mittelschule im westlichen Franken auf der Liste. Aus allen sogen die Lehrer und Betreuer wertvolle Erkenntnisse, wie Delegationsleiterin Lucie Waltzer betonte.
Neben den Blick in Räume und Lernlandschaft(en) selber – gerade auch diesbezüglich konnte das sanierte Rother Haus glänzen – ging es ihr und ihren Kollegen darum, Informationen aus erster Hand zu sammeln, wie Bildung auf den verschiedenen Ebenen organisiert ist und wird.
Dem Team um Lernlandschaft-Erfinderin Karin Doberer war daraufhin prompt das Bildungsbüro des Landkreises Roth eingefallen – ein Solitär in der Region, den sie den Gästen unbedingt präsentieren wollte. Bildungskoordinatorin Christine Waitz gab Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte, Einblicke in ihren Arbeitsalltag sowie Aufgabenbereich. Sie machte deutlich: Beim Bildungsbüro, das sie sich mit Lorena Fares teilt, handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Landkreises. „Keine Selbstverständlichkeit“, betonte sie. Seit Gründung im Herbst 2023 habe sich jedoch deutlich gezeigt, welchen unverzichtbaren Beitrag die Stelle leistet. An zahlreichen Schnittstellen und bei unterschiedlichsten Anlässen sei der Bedarf sichtbar geworden.
Dem pflichtete Landrat Ben Schwarz bei: „Wir müssen Bildung neu denken“, sagte er mit Hinweis auf die sich verändernde Gesellschaft, die immer heterogener werde. Hinzu komme, dass Kinder und Jugendliche – Stichwort Ganztagsbetreuung – immer mehr Zeit in der Schule verbringen würden. „Das stellt uns vor ganz neue Herausforderungen.“ Zumal der Anspruch sein müsse, niemanden „unterwegs“ zu verlieren. „Das können wir uns schlicht nicht leisten.“
Das Gymnasium Roth sei seiner Meinung nach ein gelungenes Beispiel für eine Lernlandschaft. Bewährt habe sich, dass die Schulfamilie schon in Vorüberlegungen und Planungen einbezogen war. Beim Rundgang, den Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp führte, zeigte sich, wie sehr die Jugendlichen die Möglichkeiten nutzen. Die einen lernten auf dem Sofa, die anderen diskutierten angeregt auf Barhockern, wieder andere erledigten schriftliche Aufgaben am Schreibtisch. Positiv fiel der Geräuschpegel auf beziehungsweise dessen geringes Niveau. Was keine Momentaufnahme sei, wie Direktorin Dr. Susanne Kleinöder-Strobel betonte. Sie berichtete zudem, dass die Schülerinnen und Schüler „ihr“ Mobiliar sehr pfleglich behandeln würden.
„Wir sind noch in der Findungsphase“, sagte sie zu den nun seit knapp zwei Jahren bestehenden Gegebenheiten. „Das geht nicht von jetzt auf gleich.“ Die Möglichkeiten zur Individualisierung seien großartig. Auch Kleinöder-Strobel sah in der gemeinsam erarbeiteten Konzeption einen entscheidenden Faktor. „Wir sind froh, dass wir gefragt wurden, was wir wollen.“
Luxemburg befindet sich gerade, was den Bereich Bildung anbelangt, im Aufbruch, erläuterte Lucie Waltzer von der Delegation des Ministeriums für Bildung, Kinder und Jugend. „Wir wollen gestalten und das gut“, sagte sie im Namen der Arbeitsgruppe, die bewusst den Kontakt zu Bayern und ländlichen Strukturen gesucht hatte. Trotz aller Unterschiede – unter anderem besteht in dem Benelux-Staat schon seit 2013 ein Anspruch auf Ganztagsbetreuung von 7 bis 19 Uhr und Schulpflicht ab vier Jahren - zeigte sich, dass viele Fragestellungen in beiden Ländern ähnlich sind oder waren.
So verzeichne Luxemburg viele Einpendler, auch Migration und die von Ben Schwarz angesprochene Heterogenität sei ein Thema, zumal in Kombination mit den vielen Stunden, die die Kinder „nicht zu Hause“ verbringen würden. Dadurch würden beispielsweise Rückzugsorte große Bedeutung gewinnen.
Die Erläuterungen von Lucie Waltzer bestätigten den Landrat in seiner Problemanalyse. Zum einen mache die Definition, dass Bildung Ländersache sei, vieles nicht einfacher. Zum anderen sei die Konstellation in Bayern, zwei verschiedene Ministerien (Kultus und Sozial) in Sachen „Ganztag“ am Start zu haben, „unglücklich“ – ein Umstand, den Luxemburg vor einigen Jahren abgeschafft hat.
„Wo wir Einfluss nehmen können auf die Gestaltung des Lernumfelds tun wir das“, beteuerte Schwarz, der Rolle und Aufgaben des Landkreises im Bildungssystem erklärte. „Das kennen auch viele Menschen bei uns nicht.“ Während Grund- und Mittelschulen bei Städten und Gemeinden angesiedelt seien, stünde der Kreis für Gymnasien, Real-, Förder- und Berufsschulen in der Pflicht. Allerdings auch „nur“ als Träger, „bedeutet Gebäude, Hausmeister, Reinigung…“. Das Personal, sprich die Lehrer, wiederum steuere der Freistaat bei.
Das Stichwort Einflussnahme brachte ihn zurück zum Bildungsbüro, das er unter anderem als „Vernetzungsklebstoff“ sieht, das den Austausch relevanter Einrichtungen und Akteure anstößt, entwickelt und moderiert. Alles, unter dem übergeordneten Ziel, Bildung weiter zu optimieren.
Dafür gibt es unter anderem das Steuergremium Bildung und den Bildungsbeirat. Beide wurden 2023 im Zuge der Etablierung des Bildungsbüros neu ins Leben gerufen, sie haben die Arbeitskreise, die es zuvor unter dem „Dach Bildung“ gab, abgelöst und deren ehemalige Mitglieder in die neue Gremienstruktur aufgenommen. Teils, weil deren ursprünglicher Auftrag bereits erledigt war, teils, weil sie trotz guter Startphasen und Impulsen in eine Art Schlummermodus verfallen waren.
Nachfragen gab es auch zum Bildungsmonitoring. Ob nur Erwachsene befragt würden oder auch Kinder und Jugendliche? Lorena Fares, deren Stelle über das Programm „Bildungskommunen“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, berichtete von einer Bedarfsanalyse, die im Kontext des „Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz ab 2026/27“ initiiert wurde. Sie nahm die Anregung der Gäste, die auch die Meinungen von Schülerinnen und Schüler abfragen, gerne auf. Zumal sich „ihre“ Datenbank zudem auf Feedback der Veranstaltungen stütze, die meist auch eher Eltern seien. Das habe allerdings nicht nur praktische, sondern auch datenschutzrechtliche Gründe, relativierte sie.
Lernlandschaft-Geschäftsführerin Karin Doberer und Lucie Waltzer waren sich einig, dass die Stimmen von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig seien. Beide ermutigten, diese auf andere, moderne Methoden einzuholen. „Es muss nicht immer der klassische Feedbackbogen sein.“
Ein Impuls, den Christine Waitz und Lorena Fares schon lange üben, praktizieren sie doch beinahe täglich den Spagat zwischen bewährten Methoden und neuen Wegen. Wichtig ist ihnen, für die eigene Arbeit und Projekte Ideen und Impulse mitzunehmen, anderen aber auch immer etwas mitzugeben. Das gilt insbesondere für die Gremienarbeit, aber auch für jedes Gespräch und jede Kooperation. „Das ist uns eine Herzensangelegenheit“, betont Waitz. Eine, die nun den Weg nach Luxemburg gefunden hat.
Weitere Informationen zu der Bildungsarbeit und Kooperationen gibt es auf der Homepage des Bildungsbüros.