
Feuerwehr, das sind wir alle
Landrat Ben Schwarz gratuliert Egbert Petz nachträglich zur Verleihung des Steckkreuzes – und nutzt das für einen großen Dank
Stand: 22.02.2026
Na klar, die Frau. Wer auch sonst? „Was hast`n da schon wieder?“, wollte Sabine Petz von ihrem Mann wissen, als sie einen Brief des Innenministeriums im Postkasten fand. Die Frage relativierte sich schnell. Beziehungsweise katapultierte sie in eine ganz neue Dimension. Und entlockte sogar Egbert Petz ein großes „Wow!“
Denn das Schreiben enthielt nichts Geringeres als Petz‘ Einladung zur Verleihung des Steckkreuzes für besondere Verdienste um das Feuerwehrlöschwesen; die wird nur alle zwei Jahre vergeben und ist die zugleich höchste, die es in Bayern gibt. Schon alleine deshalb war es Landrat Ben Schwarz ein Anliegen, dem Allersberger persönlich zu gratulieren – nachdem er bei der entsprechenden Feierstunde bei der Regierung nicht dabei sein konnte.
Wenngleich der 56-Jährige von der Auszeichnung als „Riesenehre“ spricht, denkt er im gleichen Moment an die Kameradinnen und Kameraden. Für ihn ohnehin der wichtigste Bestandteil von „Feuerwehr“: „Ohne die bist du nichts, Du musst dich aufeinander verlassen können.“ Ganz wichtig sind die Kollegen nicht nur im Einsatz, sondern auch danach – vor allem, wenn sie belastende Situationen nach sich ziehen.
Ziemlich am Anfang seiner „Karriere“ musste Egbert Petz einmal helfen, einen Arbeitskollegen aus seinem verunglückten Pkw zu schneiden. Der Allersberger schluckt heute noch, wenn er davon berichtet. Aber dank der Unterstützung der Kameraden (und in jungen Jahren der der Älteren) sowie das Darüber-sprechen, „geht es.“ Im Laufe der Zeit, mit mehr Erfahrung, werde es zudem etwas leichter, erzählt er. Zumal in Kombination mit dem Bewusstsein, Menschen zu helfen und Sachwerte zu schützen.
Petz wäre auch nicht Petz, hätte er nicht auch die Feuerwehr „als Ganzes“ im Blick. „Wir brauchen neue Leute“, rührt er die Werbetrommel. Die Nachwuchsarbeit liegt dem Kreisbrandinspektor besonders am Herzen, wenngleich jede/r Quereinsteiger genauso willkommen ist. Dafür wird man belohnt, ist Petz überzeugt: Mit Kameradschaft und Zusammenhalt. Und dem Lernen, mit bis dato ungewohnten Lebenssituationen umgehen zu können.
Die Kinder- und Jugendfeuerwehren sind für Petz ein Segen. Ab sechs beziehungsweise zwölf Jahren werden die Jungen und Mädchen zunächst spielerisch und später auch mehr und mehr technisch an die Aufgaben herangeführt. Darüber hinaus lernen sie Tugenden wie Verlässlichkeit oder Pünktlichkeit. Was im Umkehrschluss jeden Feuerwehrler zu einem Vorbild macht. „Wir Erwachsene müssen das vorleben.“
Gerade diese Wertevermittlung ist für Landrat Ben Schwarz etwas, das gerade dieses Ehrenamt so kostbar und bedeutsam macht. Wenn das dann noch wie im „Fall Petz“ seit über 40 Jahren gelebt wird, sei das gewaltig und aller Ehren wert. Zumal sich der vierfache Familienvater auch als Vorsitzender des Feuerwehrvereins in die Pflicht hat nehmen lassen.
Der Allersberger hat den „klassischen“ Weg genommen. „Wie jedes Kind“ wollte auch der kleine Egbert mal Feuerwehrmann melden, erzählt er Schwarz lächelnd. „Ernst“ wurde es dann mit 16, als ihn ein guter Bekannter „mitnahm“. Der Rest ist Geschichte. Grundausbildung, viele Lehrgänge, „irgendwann“ stellvertretender Kommandant, dann Kommandant, dann Kreisbrandmeister, nun seit 2016 -inspektor (KBI). Dann folgt ein Satz, der Ben Schwarz beeindruckt: „Ich würde alles genau so wieder machen.“
Beeindruckend auch deshalb, weil die Führungskräfte unter besonderer Verantwortung stehen, verdeutlicht der Landrat, ohne die Leistungen aller Mit-Dienstleistenden schmälern zu wollen („da wird tolle Arbeit geleistet“). Und es ist natürlich noch einmal mehr Zeit, die investiert wird.
Zur Petz`schen Philosophie gehört, „alle mitkommen zu lassen“ – eine Erfahrung, die auch er machen durfte. Plus: In einer Gemeinschaft wie der Feuerwehr habe jeder seinen Platz. Dass das auch seine Kinder erkannt haben und erfahren dürfen beziehungsweise durften, macht ihn stolz. „Es ist schön zu sehen, dass es weitergeht“. Das trifft auf (seine) Familie, aber auch die Feuerwehrfamilie zu.
Kein Gespräch mit einem erfahrenen Feuerwehrler ohne die Frage nach skurrilen Einsätzen. „Gab es schon“, plaudert der Allersberger aus dem Nähkästchen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Papagei, der in Hilpoltstein scheinbar verloren in einem Baum saß. Als die Drehleiter dann anrückte, „ist er einfach weitergeflogen“.
Egbert Petz nutzt den Besuch im Landratsamt, um auf die jüngste Werbekampagne der Feuerwehr aufmerksam zu machen, die unter #team112 firmiert und neue Mitglieder gewinnen möchte. Wie aber in Kontakt treten? Landrat Ben Schwarz will es genau wissen und bekommt eine kurze Antwort: Einfach vorbeischauen, eine Mail schreiben, jemanden von der Feuerwehr ansprechen. Und er bekommt einen Motivationsspruch dazu, nämlich nichts Geringeres als Egberts Petz` Schlussnote: „Es gibt fast nichts Schöneres, als anderen Menschen helfen zu können.“
Zu Person und Werdegang: Seit September 1985 ist Egbert Petz Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Allersberg, zehn Jahre später wurde er zum stellvertretenden Kommandanten gewählt, 2005 dann zum Kommandanten. 2011 bestellte ihn der damalige Landrat Herbert Eckstein zum Kreisbrandmeister für den Bereich Allersberg (mit sechs Feuerwehren), 2016 folgte die Beförderung zum Kreisbrandinspektor. In dessen Zuständigkeitsbereich fallen unter anderem Teile der Autobahnen A 6/ A 9 und A 73 sowie Abschnitte der ICE-Strecke Nürnberg-München, des Main-Donau-Kanals, des Jäger- und Rothsees.