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Steinerne Zeugen der Geschichte - Grenzsteinfeld bei Stauf eröffnet

Die eigenen Weidebereiche oder Waldstücke markieren, Steuerbezirke klar voneinander abtrennen und die Herrschaftsgebiete eindeutig zuordnen: Für all dies und vieles mehr sorgen Markierungen aller Art. Ein ganzes Grenzsteinfeld wurde nun bei Stauf eröffnet und lädt ein, anhand der kleinen Monumente in die Geschichte einzutauchen.

STAUF – Einmal sind es gekreuzte Schwerter aus dem Familienwappen,die darauf aufmerksam machen, dass hier der gräfliche Wald Pappenheims beginnt. Wenige Meter entfernt verweist ein Landesgrenzstein auf die rote Linie zwischen dem Hochstift Eichstätt und dem Fürstentum Pfalz-Neuburg. Ein Markstein in Stiefelform ist sogar kopfüber aufgestellt.Aber nicht aus einer Laune heraus, sondern um zu verdeutlichen, dass ihm einst die „Stiefelspitze“ als Verankerung im Boden diente.Bei den 18 Grenzsteinen, zu denen sich noch weitere gesellen sollen, handelt es sich um Originale aus dem weiten Umfeld. Ein waschechter Gemeindegrenzstein, der die ehemaligen Gemeinden Hagenich-Schwimbach und Reinwarzhofen-Thalmässing einst abtrennte, ist ebenso mit dabei. Einer der Steine wurde sogar aus einem Abfallhaufen am Feldrand bei Tagmersheim gefischt. Dieser Umstand macht deutlich: So richtig benötigt wurden die Steine oft nicht mehr. Andere der kleinen, aber schadhaften Monumente wurden durch Nachbildungen ersetzt.
Die Originale sind auf dem Feld bei Stauf (nahe Ortsausgang Richtung Schwimbach) zu sehen, weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand, wenn auch etwas herausgeputzt und auf Betonsockeln installiert. Das Grenzsteinfeld bildet eine Aufwertung des vor zwei Jahrzehnten eröffneten Grenzwanderwegs, als dessen Ausgangspunkt sich das Feld anbietet.Den Anstoß zu der neuen Attraktion lieferte vor gut zwei Jahren eine Idee des Bürgermedaillenträgers Gerhard Schieferdecker. Der Fundus des Grenzsteinforschers Dr. Karl Röttels sollte der Öffentlichkeit zugängig
gemacht werden. Dass die Verwirklichung des Projekts dann doch relativ lange dauerte, ist dem Umstand geschuldet,
dass die Umsetzung „vor allem die Frucht ehrenamtlicher Tätigkeit ist“, wie Thalmässings Bürgermeister Georg Küttinger erläuterte. Die Gestaltung sei „bewusst unscheinbar und unspektakulär“. Denn das Grenzsteinfeld „will aktiv entdeckt werden“. So schmiege es sich unauffällig an den Abhang und werde so Teil der Landschaft, die Eingriffe in die Natur gerieten maßvoll. Zum Verweilen und Blick über das Thalachtal lädt auch eine neue Sitzgruppe ein, deren steinerne Wangen das Motiv des Grenzsteinfeldes aufgreifen. Eine Infotafel rundet das Ensemble ab. Mehr Infos gibt es auf zwei Faltblättern. Neu ist dabei auch das Design, wie der geschäftsleitende Beamte Thalmässings, Markus Träger, erörterte. Er war bei der Verwirklichung des Plans maßgeblich mit beteiligt, ebenso wie Kreisheimat- pflegerin Eva Schultheiß. Statt langer Erklärungen zu den Grenzsteinen finden sich in dem Wanderwegplan nun Verweise auf die Homepage der Kommune für weitere Infos. Neu sind hingegen die Hinweise auf Einkehrmöglichkeiten während der 25 Kilometer langen Wege, die in zwei Schlaufen angeordnet sind. Der Grenzwanderweg selbst trägt nun nicht mehr „Eysölden“, sondern „Land um Stauf“ im Namenszusatz, was dem historischen Hintergrund gerecht werden soll. Bei der Verwirklichung der Faltpläne und Infotafeln kam erstmals das neue Designkonzept der Gemeinde zum Tragen, was den Vorhaben Pilotcharakter verleihe, betonte Küttinger. Er nahm die Eröffnung zum Anlass, mit Ernst Rabus einen der vier ersten Inhaber des neuen Wanderpasses zu ehren. Den gibt es für jene Zeitgenossen, die bei allen vier geführten Wandertouren mit dabei waren. Das Quartett der ersten Passinhaber komplett machen Fritz Ellinger und seine Söhne Frieder und Constantin Walter. Die stellvertretende Landrätin Hannedore Nowotny könnte auch bald die Runde ergänzen. Über den Grenzwanderweg sagte sie jedenfalls: „Ich will ihn erwandern!“ Und Bernhard Böckeler behauptete: „Es lohnt sich herzukommen!“ Dazu hat er als Vorsitzender der ErLebenswelt Roth, über den Leader-Fördermittel in Höhe von 15.000 Euro flossen, einiges beigetragen. Die Summe entspricht gut 40 Prozent der Gesamtkosten, in die die Aufwendungen für den neuen Parkplatz am Michael-Kirschner-Museum als Teil des Gesamtprojekts einfließen.

Quelle: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung. ley



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