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„Nur weil es 100 Jahre so war, muss es nicht so bleiben ..."


... Diesen Denkanstoß gab Klaus Wenzel seinen Zuhörern in der Rother Kulturfabrik mit. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) erläuterte auf Einladung der Landkreis-Initiative „Bildungsregion“ seine Vorstellungen, wie Bildung im 21. Jahrhundert aussieht. Und wie sie aussehen müsste, um besser als bisher bei Kindern und Jugendlichen „anzukommen“.

Klaus Wenzel bei seinem Vortrag (Foto: lra)

Landrat Herbert Eckstein, der durch den Abend führte, machte deutlich, dass es dem Landkreis nicht alleine darum gehe, offiziell vom Kultusministerium zur „Bildungsregion“ deklariert zu werden (die Bewerbung für dieses Siegel ist derzeit am Laufen).

„Durch diese Initiative wurden und werden wertvolle Impulse gegeben, mit der wir alle Kinder und Jugendliche fordern und fördern wollen.“ Gemäß dem Motto dieser Initiative: „Kein Talent darf verloren gehen“ – „und viele Talente lassen sich nicht in Noten fassen“, so Eckstein, der Klaus Wenzel vorstellte als einen Mann, „der schon seit langer Zeit viel Richtiges sagt – ohne mit dem Zeitgeist zu gehen.“

Ist-Zustand analysiert

Eloquent, anschaulich, gerne auch mal provozierend, aber immer auch mit einer guten Portion feinem Humor analysierte der 65-Jährige ehemalige Hauptschullehrer die aktuelle Bildungspolitik. Seine Hauptkritik richtete sich in erster Linie an die frühe Trennung der Kinder in „Kopfarbeiter“ (Gymnasium), „handwerklich Begabte“ (Mittelschule) und „irgendwas zwischendrin“ (Realschule).

Dieses System werde unter rund 200 Ländern nur noch in 12 Ländern praktiziert; „elf davon sind deutsche Bundesländer, das 12. Land ist Österreich“, bemerkte Wenzel süffisant. „Diese Einteilung war vor rund 100 Jahren in einem völlig anderen, gesellschaftlichen Umfeld sinnvoll. Heute aber nicht mehr“, so der Referent.

Seiner Ansicht nach würden Studien wie „Pisa“ heillos überschätzt. „Das hat viel mit Wissen zu tun, ein wenig mit Können und nichts mit Bildung“. Wenig motivierend sei seiner Ansicht nach auch die Grundeinstellung zum Unterricht: „Wir sind darauf geschult, nach Fehlern zu suchen statt das Positive zu bestärken.“ Ein anschauliches Beispiel dazu: „Wenn in der Schule ein Diktat geschrieben wird, steht darunter die Zahl der Fehler – und nie die Zahl der richtig geschriebenen Wörter.“   

Am Positiven orientieren

Dabei mache die Orientierung am Gelingen statt am Misslingen Kinder und Jugendliche stark, vermittle ihnen Selbstbewusstsein und trage dazu bei, sie zu selbstbestimmten, verantwortungsvollen Erwachsenen zu erziehen.

Doch wollte Wenzel, selbst Vater von drei Söhnen, „die sich gut mit dem bestehenden Schulsystem arrangiert hatten“, nicht allen Schulen, bzw. Lehrern, antiquierte Unterrichtsmethoden unterstellen. „Im Gegenteil: Es gibt viele gute Ansätze.“ Tatsächlich ließen die Rahmenbedingungen gewisse Spielräume zu, doch würden diese bei weitem nicht reichen. „Und damit geht Bildung, wie sie heute betrieben wird, an unseren Kindern und Jugendlichen vorbei. Sie sei beziehungslos, ohne Nachhaltigkeit, punktuell.

Strategie entwickeln

Der Wunsch des langjährigen BLLV-Präsidenten an die Bildungspolitik in Deutschland: „Wir brauchen eine klare Strategie und deutlich formulierte Ziele, wo wir mit der Schulpolitik im Jahr 2030 stehen wollen.“ Nur gebe es derzeit zwei Probleme: „Die Bildungspolitik weiß nicht wohin sie will. Und wer nicht weiß, wohin er will, muss sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt…“

Und: „Wir wissen alle nicht, wie unsere Welt im Jahr 2030 aussieht. Was wir sicher wissen: Unsere Gesellschaft wird bunter, vielfältiger, heterogener“.

Genau auf diese Entwicklung müsse in der Bildungspolitik eingegangen werden, so Wenzel. „Unser Schulsystem sortiert alle ,Andersartigen´ heraus“ – das sei also genau das Gegenteil von dem, was die Gesellschaft in Zukunft brauche. Die Forderung des Referenten: „Wir müssen diese Prozesse hinterfragen, sie zum Positiven verändern, damit wir Kinder und Jugendliche haben, die als lebensbejahende Persönlichkeiten die Schule verlassen.“

Information:
Weitere Informationen zur „Bildungsregion Landkreis Roth-Stadt Schwabach“ unter www.bildungsregion-roth.de.

 



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generiert am 17.07.2018 13:48:52 ­