Veröffentlicht am 26.03.2009

Willi Weglehner erhielt Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis


Zum fünf­ten Mal verlieh Landrat Herbert Eck­stein einem Literaten aus dem Land­kreis Roth den Elisabeth-Engel­hardt- Literaturpreis des Landkrei­ses, der seit 1997 alle drei Jahre verge­ben wird. Der diesjährige Preisträger Willi Weglehner aus Thalmässing wurde für sein literarisches Schaf­fen, insbesondere für seine drei Romane „Der Viehhändler“, „Nah­kampf“ und „Franzl – Keiner weiß wohin“, geehrt.

Willi Weglehner wird mit dem Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis ausgezeichnet

„Ich hoffe, dass dieser Preis wei­tere Herzen in Schulen und bei jun­gen Menschen öffnet“, sagte der Preisträger. „Aus dem südlichen Landkreis darf ruhig auch mal was anderes prämiert werden als der Presssack.“ Musikalisch umrahmten die Veran­staltung in Leerstetten die beiden Thalmässinger Gitarristen Alexan­der Feser und Roland Schrüfer, die als Gypsy-Jazz-Duo „La Route Django“ auftraten, mit erlesenem Zigeunerswing. Als besonderen Ehrengast konnte der Landrat Arno Hamburger, den 1.Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürn­berg, begrüßen. Ihm hat Willi Wegleh­ner in seinem Roman „Nahkampf“ ein literarisches Denkmal gesetzt. 

Regionale Autoren unterstützen 

 Landrat Herbert Eckstein sagte, dass sich nach Ingeborg Höverkamp, Gerd Berghofer, Klaus Schamberger und Elfriede Bidmon nun Willi Weg­lehner als fünfter Preisträger würdig in die Reihe der Preisträger einordne. „Mir gefällt es, dass so viele vorge­schlagen werden oder sich selbst bewerben“, meinte Eckstein. „Es ist wichtig, dass wir Autoren helfen, die im Landkreis Roth leben.“ Der gastgebende Bürgermeister von Schwanstetten, Robert Pfann, erinnerte daran, dass der Landkreis Roth anlässlich seines 25. Geburtsta­ges die Idee hatte, alle drei Jahre einen Literaturpreis auszuloben und dass die Schriftstellerin Elisabeth Engelhardt, nach der der Literatur­preis benannt wurde, aus Leerstetten stammte.


„Wesentlich für die Literatur ist immer gewesen, dass sie nicht nur von den großen Verlagen her, son­dern aus der Region genährt wird“, meinte Rundfunkautor Dr. Reinhard Knodt, der die Laudatio auf den Preisträger Willi Weglehner hielt. „Ich bin froh und stolz, dass Litera­tur so zu verstehen ist und nicht aus­schließlich vom Markt und vom Geschäft diktiert wird.“ Es gebe unter fränkischen Schrift­stellern eine Art der Bescheidenheit, für die der Ausdruck „Schöpferi­sches Understatement“ gelte, sagte Dr. Knodt. Dieses schöpferische Understatement habe bei Klaus Schamberger dazu geführt, dass er, nachdem er vom Preis erfuhr, be­hauptet habe, er wäre im Grunde gar kein Schriftsteller, sondern eher ein verkommener Journalist. „Mit Willi Weglehner haben wir offenbar ein zweites solches Exemplar des schöp­ferischen Understatements gefun­den, denn auch von ihm erfahren wir, er sei ,kein begnadeter Schriftstel­ler’“.


„Willi Weglehner schrieb eine Anzahl Romane, hauptsächlich für Jugendliche und jüngere Erwach­sene, die sich mit einem zentralen Thema be­schäftigen, nämlich mit dem Menschenrecht“, hob Dr. Knodt hervor. „Dieser thematische Schwerpunkt des Men­schenrechts, aber auch die gewaltige Recher­che- und Arbeitsleis­tung sowie die zwar gelegentlich drastische und belehrende, niemals jedoch inhumane Per­spektive, die das Men­schenrechtsproblem auf der Folie des National­sozialismus durchspielt, war für die diesmal sehr kontroverse Wahl der Jury schließlich aus­schlaggebend.“ Willi Weglehner, so Dr. Knodt weiter, habe vieles geschrieben, was man bei anderen begab­ten Autoren der Region auch finden könne: Gute-Nacht-Geschich­ten für Kinder, Aphoris­mensammlungen und Schlagertexte, ein auto­biographisches Buch über den Windsbacher Knabenchor und vieles mehr. „Was aber nicht so leicht überbietbar sein dürfte, sind drei große in den letzten Jahren entstan­dene Romane, die den Dreh- und Angelpunkt der Menschenrechte hautnah aufarbeiten und dazu den Präfaschismus in Franken als Doku­mentfolie benutzen.“ „Statt Tragik schaffen Weglehners Bücher Spannung und Stimmung“, so Dr. Knodt weiter. „Er schreibt erschütternde und anrührende Sze­nen, er ist in der Lage, schier Unbe­schreibliches zu beschreiben und neu zu erfinden und er macht das alltägli­che Heldentum und die Not Einzel­ner, fast dokumentarisch anschau­lich.“ Schließlich stelle er auch im­mer wieder Kinder in den Mittel­punkt seiner vielen Erzählungen, Kin­der, die Erstaunliches leisteten, die Schlimmstes sahen und die dadurch fürs Leben gezeichnet worden seien.


„Und weil auch immer wieder Eltern auftreten, die ihren Kindern erklären müssen und es oft nicht kön­nen, deswegen sind diese Bücher wertvoll und sollten ein junges Publi­kum finden“, erklärte der Laudator. „Was sie nämlich durchaus vermö­gen, ist, eine Sensibilisierung zu schaffen für etwas, das in Deutsch­land vielleicht immer noch zu kurz kommt oder vielleicht auch nach wie vor missverständlich betrachtet wird – die Sensibilität für Menschen­rechte, genauer, für das, was man Menschen gegenüber darf und das, was man nicht darf.“ Willi Wegleh­ners Bücher arbeiteten konkret mit am Programm der Humanität.

Doch noch Urkunde erhalten 

„Ich werde diesen Preis nicht ableh­nen, obgleich mir der Deutsche Fern­sehpreis lieber gewesen wäre“, wit­zelte der Preisträger und parodierte dabei den „Literatur-Papst“ Marcel Reich-Ranicki. Humorvoll erklärte er, dass er „im gesegneten Alter von 60 Jahren“ nun doch eine Urkunde erhalte, nachdem er als Schüler bei den Bundesjugendspielen keine ein­zige Urkunde bekommen habe.
„Bücher können Botschaften ver­mitteln oder unterhalten“, so Wegleh­ner weiter. „Wir dürfen es nicht zulas­sen, dass unsere Demokratie ihre Totengräber hätschelt.“ Weglehner: „Wir tragen an der Schuld, dass in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen zu Tausenden vernichtet wurden, und wir haben eine große Verantwortung.“ Bücher seien ein Weg, der jungen Generation zu hel­fen, dass sie nicht Rattenfängern auf den Leim gehen: „Die Gepeinigten müssen Gesichter bekommen.“ Abschließend las Preisträger Willi Weglehner zwei längere Passagen aus seinen beiden Romanen „Nah­kampf“ und „Franzl – keiner weiß wohin“ vor und fesselte die Zuhörer durch einen ausdrucksvollen Vor­trag. 

Quelle: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung
 



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