AUSBILDUNG IM LANDRATSAMT ROTH

„Alte Hasen“ helfen beruflichen „Grünschnäbeln“


Sie nennen sich „Job-Caster“ – hinter diesem Namen stecken engagierte Männer und Frauen, allesamt bereits im Rentenalter, reich an Erfahrungen aus der Wirtschaft und der Arbeitswelt, mit vielen Kontakten zu heimischen Betrieben, motiviert von dem Wunsch, mit ihrem Wissen, jungen Menschen den Weg in die Arbeitswelt zu ebnen. Sie tun dies völlig umsonst (weil kostenlos) – aber ganz selten vergebens! Das wurde deutlich bei einem kleinen Empfang, zu dem die Unternehmerfabrik alle ehrenamtlichen Job-Caster aus dem Landkreis und der Stadt Schwabach eingeladen hatte.

Älterer Mann mit Junge vor PC

Es war einmal….ein junger Mann mit hochfliegenden Plänen und schlechten Schulnoten. Der wollte es seinem großen Bruder nachtun und einfach nur Geld verdienen. Ohne Ausbildung. Da kam ein erfahrener Wirtschaftssenior, der dem jungen Mann mit Rat und Tat zur Seite stand, ihm eindringlich riet, den schwereren Weg übers Lernen und eine Lehrstelle zu gehen; der half, diese Lehrstelle – trotz der schlechten Noten – zu ergattern. Heute ist dieser junge Mann ein gut ausgebildeter Industriemechaniker bei „Leoni“ in Roth.

Kein Märchen, sondern eine wahre Geschichte, die Helmut Reiter, Job-Caster in Hilpoltstein, bei dem Treffen nur zu gern erzählte. Nicht, um die eigene Leistung heraus zu stellen. Sondern um zu erklären, was die Senioren und Seniorinnen motiviert, sich Woche für Woche mit Jugendlichen zusammen-, und nicht selten auch auseinander zu setzen – nämlich Erfolgserlebnisse wie diese Episode aus dem Berater-Alltag.

In der Ausbildung erfahren

Eigentlich hätten es die Job-Caster, die in Thalmässing, Hilpoltstein, Roth, Wendelstein und Schwabach einmal die Woche einen Nachmittag mit jungen Leuten arbeiten, nicht „nötig“, sich um den beruflichen Nachwuchs zu kümmern. Ob oben erwähnter Helmut Reiter oder Edith Renelt (Hilpoltstein), oder das Rother Quartett um Projektleiter Peter Gieritz oder die „Macher“ von „Jugend ran“ aus Schwabach  - sie alle haben als Selbständige oder leitende Angestellte im Berufsleben bereits gezeigt, dass sie`s „drauf“ haben – und „nebenbei“ eine ganze Reihe junger Leute bereits ausgebildet.

Genau diese Kombination: Gute Verbindungen in die heimische Wirtschaft, die auch jetzt noch von den aktiven Rentnern gepflegt werden, gepaart mit den Erfahrungen, was ein Jugendlicher in die Arbeitswelt mitbringen muss, um bestehen zu können – „das ist etwas, was wir in der Form gar nicht bieten können.“ Dies gab der Leiter der größten Mittelschule im Landkreis, Dr. Eduard Gradl, bei dem Treffen gerne zu. Umso wichtiger für einen Großteil der Rat suchenden Jugendlichen, die – aus den verschiedensten Gründen - nicht auf die Unterstützung durch die Familie bauen können.

Gute „Rundum-Betreuung“

Im Arbeitskreis „Schule-Wirtschaft“, den Gradl leitet, seien die „Job-Caster“ eine beständige und wichtige Stütze, betonte der Schulleiter unisono mit Karl Scheuerlein, Geschäftsführer der „Unternehmerfabrik,“ die organisatorisch die Arbeit der „Bewerbungstreffs“ unterstützt. Es ist ein „Rundum-Paket“, das die Wirtschafts-Senioren bieten.

Beispiel Roth: Die vier Männer und eine Frau um Peter Gieritz kommen regelmäßig in die Anton-Seitz-Schule, um Schulabgängern Rede und Antwort zu stehen. „Wenn sie mit ihrem beruflichen Hintergrund und ihrer Kompetenz etwas erklären, hat das bei unseren Jugendlichen eine ganz andere, effektivere Wirkung, als wenn das „nur“ ein Lehrer von uns macht“, so Gradl.

 Darüber hinaus werden jeden Dienstagnachmittag im Seckendorffschloss Sprechstunden angeboten. Sogar in den Ferien. Dort wird den Rat suchenden Jugendlichen zunächst auf den Zahn gefühlt. Im positiven Sinn. „Uns geht es darum, heraus zu finden, was der junge Mensch kann, um es dann in der Bewerbung unterzubringen“, erläuterte Dr. Walburga Kumar. „Wir wollen gegenüber potentiellen Arbeitgebern nicht lügen. Aber wir wollen auch nichts verschweigen.“ Denn „da will beispielsweise einer Mechatroniker werden und weiß gar nicht, dass sein jahreslanges Engagement als Ministrant dazu beitragen kann, seine Wunschstelle zu bekommen. Standardfloskeln wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind leicht dahin geschrieben. Aber mit diesem Kirchendienst hat er beides schon glaubhaft unter Beweis gestellt. Das kann entscheidend sein“, so Kumar.

Die Job-Caster helfen individuelle Bewerbungen zu verfassen, trainieren Bewerbungsgespräche, geben Tipps, wie man aufzutreten hat und gehen gerne soweit, dass sie ihre persönlichen Kontakte nutzen, um einen ihrer Schützlinge tatsächlich in einem Betrieb „unterzubringen“. Wenn sie davon überzeugt sind, dass sie für diesen „Kandidaten“ gerade stehen können.

Nicht immer läuft`s gut

Das ist nicht immer der Fall. „Erst in der vergangenen Woche habe ich zu einem gesagt, Du bis einfach ein fauler Hund “,  erzählte Kumar. Dennoch: Auch ihm half sie, eine ordentliche Bewerbung zu verfassen. „Weil es nichts Schlimmeres gibt als einen jungen Menschen, voller Energie, aber ohne einen festen Platz im Leben, ohne die Chance, selbstbestimmt und selbstbewusst, den eigenen (beruflichen) Weg gehen zu können. In dieser Einschätzung waren sich Karl Scheuerlein, Landrat Herbert Eckstein und Schwabachs Wirtschaftsreferen Richard Schwager einig.  Und: „Machen Sie weiter. Denn Ihre Begeisterung, Ihr Engagement ist durch nichts zu ersetzen.“ 

Nebenbei: Der eingangs erwähnte junge Mann hat noch zwei Brüder. Auch sie haben mittlerweile ihre Karriere als ungelernte Hilfskräfte (mit schnellem Geld) zu Gunsten einer „ordentlichen“ Ausbildung hinter sich gelassen….

Information:

Bei der Unternehmerfabrik sind folgende, kostenlos arbeitende Bewerbungstreffs registriert. Zu den Terminen sollten immer mitgebracht werden: persönliche Unterlagen, bisherige Bewerbungen, Lebenslauf, Zeugnisse, Praktikumsbescheinigungen

Job-Casting Roth,
Jeden Dienstag, 13 bis 17 Uhr, in der Volkshochschule der Stadt Roth, Seckendorffschloss (Computerraum 12); eine vorherige Anmeldung über die Unternehmerfabrik bei Isolde Krahle,  Telefon ( 09171)  853 830,  ist notwendig!

Bewerbungstreff Hilpoltstein:
Jeden Dienstag, 13 bis 17 Uhr. Caritas Begegnungsstätte, Heidecker Straße 12, Hilpoltstein.
Ansprechpartner: Edith Renelt, Telefon (09174)1772; Helmut Reiter, Telefon: 09174-2810; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bewerbungstraining Thalmässing
Montagvormittag an der Mittelschule Thalmässing
Kontakt über das Sekretariat der Schule, Telefon (09173) 90980

Bewerbungshilfe Wendelstein:
Ansprechpartnerin: Alexandra Bratenstein, Kontakt  über die Mittelschule Wendelstein, Telefon (09129) 401160

„Jugend ran“  Schwabach:
Jeden Dienstag, 13 bis 14.30 Uhr, Karl-Dehm-Schule, Schwabach; weitere Informationen über das Schwabacher Jugendzentrum, Dirk Weinreich oder Marion Kurtz, Telefon (0 91 22)  8 29 07.



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