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Richtkrone statt Richtbaum


WENDELSTEIN - Für eine Baumaßnahme dieser Dimension ist das fast eine historische Leistung: Nur knapp vier Wochen nach der Grundsteinlegung wurde am Gymnasium Wendelstein schon Richtfest gefeiert. Es sieht ganz danach aus, als könnte der Zeitplan eingehalten werden. Im September 2012 sollen die ersten Schüler einziehen.

Die offizielle Grundsteinlegung im Juni war noch eine festliche Zeremonie. Zeitungen und Münzen waren in eine Kupferrolle gepackt worden, die Rolle war im Boden unter mehreren Zentimetern Beton verschwunden.

Beim Richtfest am Mittwochnachmittag zeigte sich Landrat Herbert Eckstein dann eher hemdsärmlig und mit rustikalem Charme. Die „Krawattenträger“ sollten sich doch bitteschön hinten anstellen, das Richtfest sei in erster Linie ein Feiertag für die Handwerker, sagte der Landkreis-chef, der selbstredend ohne „Binder“ aus Roth angereist war.

Richtkrone statt Richtbaum

Nun hat das Gymnasium Wendelstein gar kein Dach, das aufgerichtet werden könnte. Bislang sind nur die Betonwände zu sehen, oben kommt demnächst der Deckel drauf, aber der wird flach wie eine Flunder sein. Man half sich mit einer Richtkrone, die der Kranführer nach ein paar wohlgesetzten Worten und nach dem Richtspruch einfach aus der künftigen Aula in luftige Höhen hob.

33 Millionen Euro wird das Gymnasium samt Dreifach-Sport- und -Veranstaltungshalle kosten. So viel Geld für ein einzelnes Projekt hat der Bauherr Landkreis Roth zuletzt vor fast 30 Jahren für den Neubau des damaligen Kreiskrankenhauses in Roth in die Hand genommen.

33 von insgesamt 52 Gewerken sind von Kreistag und Kreisausschuss schon vergeben worden. Die ersten zwei Firmen – der Gerüstbauer und die Geothermie-Bohrspezialisten – haben ihre sieben Sachen schon wieder gepackt. Derzeit sieht es so aus, als würde die Kostenschätzung etwas unterschritten, offiziell bestätigen will das aber niemand. Schließlich gibt es bei den ganz großen Baumaßnahmen nicht selten ganz zum Schluss die bösen Überraschungen.

33 Millionen und ein Spanferkel
„Um die 33 Millionen“ sagte also Herbert Eckstein und blieb bewusst im Ungefähren. Er hätte auch sagen können: „Um die 33 Millionen Euro und ein Spanferkel.“ Das nämlich wurde als Richtschmaus gereicht, und die Handwerker, die den Rohbau zuvor blitzblank gekehrt hatten, ließen sich tatsächlich nicht lange bitten.

Laut Architekt Arndt Rudolph (München) steht das Gymnasium Wendelstein derzeit „an der Grenze vom Rohbau zum Ausbau“. Deshalb sei der Zeitpunkt ideal für das Richtfest. Und: Es war der optimale Zeitpunkt für einen Rück- und einen Ausblick: Bislang seien die Arbeiten reibungslos verlaufen, von größeren Unfällen sei man verschont geblieben. Für alle Beteiligten sei es eine große logistische Herausforderung, bis zu 100 Handwerker gleichzeitig zu koordinieren, so Rudolph.

Jetzt, wo es an den Ausbau geht, kommen die richtig teuren Sachen. Weil die Schule Passivhaus-Standard haben wird, ist in Sachen Haustechnik und Dämmung das Beste gerade gut genug. Das geht ins Geld, spart aber später beim Unterhalt.

Jetzt, so appellierte Herbert Eckstein in Richtung Kultusministerium, wäre auch ein guter Zeitpunkt, den Schulleiter für das neue Gymnasium schon zu bestimmen. Mit dem könnte sich der Architekt dann abstimmen. Immerhin: München hat zugesagt, dass der Name noch in diesem Jahr preisgegeben werden soll.

Bis dorthin kann man sich beim Landkreis mit einem Mann trösten, der in der Schule einmal der tatsächliche Herrscher sein wird: Mit Herbert Brückel aus Wendelstein, derzeit in der Abteilung Gebäudemanagement am Rother Landratsamt beschäftigt, hat man den künftigen Hausmeister schon gefunden.

Text: Robert Gerner, Schwabacher Tagblatt
 



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generiert am 23.05.2012 21:05:49 ­