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Veröffentlicht am 15.10.2007

Hilfestellung für Migranten


In einem fremden Land zu leben bedeutet nicht nur, fern der Heimat zu sein. Es bedeutet auch, eine neue Sprache erlernen, sich in einer anderen Kultur und Lebensweise zurechtfinden und neue Bekanntschaften machen zu müssen. Um Migranten den Start in ein neues Leben in Deutschland so einfach wie möglich zu machen, sieht das Zuwanderungsgesetz Integrationskurse und Migrationserstberatungen vor.

Manfred Deyerler und Metin Demirel unterstützen Migranten im Landkreis Roth

Obwohl die Migrationserstberatung erst seit 1. Januar 2005 gesetzlich festgeschrieben ist, holte Landrat Herbert Eckstein mit Metin Demirel bereits 1999 einen Migrationserstberater ans Landratsamt Roth. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat berät Demirel, Leiter des Beratungszentrums für Integration und Migration des Arbeiterwohlfahrts-Kreisverbands Nürnberg und wohnhaft in Roth, Migranten aus dem Landkreis. Zu seinen Aufgaben gehören die Begleitung der Integrationskursteilnehmer im so genannten Case-Management-Verfahren (bedarfsgerechte Hilfestellung), die Unterstützung bei Krisensituationen, die Vermittlung an zuständige Behörden und die Ausweitung der interkulturellen Öffnung der Ämter.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Integrationsbestrebungen, die unter dem Dach des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg zusammengefasst sind, zielen darauf ab, die Migranten zu einem festen Teil der Gesellschaft zu machen. Um dies zu erreichen, gehen die Migrationserstberatung und die Integrationskurse Hand in Hand. Die Beratungen, die meist von Wohlfahrtsverbänden durchgeführt werden, bieten Unterstützung im täglichen Leben und sollen die Ausländer soweit vorbereiten, dass sie nach einer dreijährigen Betreuung in der Lage sind, ihr Leben in Deutschland selbst zu meistern.

Die Integrationskurse, die im Landkreis unter anderem von der Volkshochschule angeboten werden, zielen darauf ab, den Migranten die deutsche Sprache, Kultur und das Rechtssystem zu lehren. Dies ist besonders wichtig, wenn später eine Einbürgerung stattfinden soll. Sprache sowie Kultur- und Rechtsverständnis sind derart bedeutend für eine funktionierende Integration, dass die Ausländerbehörde des Landratsamtes Roth Migranten zur Teilnahme an Kursen verpflichten kann. „Dies ist besonders bei denjenigen wichtig, die nur sehr wenig Deutsch sprechen“, erklärt Manfred Deyerler, Leiter des Ausländeramts am Landratsamt.

Auch im Landkreis Roth arbeiten die Beratungsstelle und das Ausländeramt, aber auch alle anderen Behörden eng zusammen: „Ich verweise die Migranten an die nötigen Stellen, die Mitarbeiter des Landratsamtes weisen wiederum auf das Beratungsangebot hin“, erklärt Metin Demirel. Dennoch bleiben Behörde und das Bürgerbüro, in dem die Beratungen stattfinden, streng räumlich getrennt. „Das macht Sinn“, sagt Deyerler. „Oft  fällt es den Menschen leichter, ein Beratungsbüro zu betreten, als bei einer Behörde vorzusprechen.“

Gut etabliert

Das Angebot der Migrationserstberatung hat sich im Landkreis Roth bereits gut etabliert. Landrat Herbert Eckstein stellt Metin Demirel nicht nur ein eingerichtetes Büro zur Verfügung, der Landkreis Roth unterstützt die Beratungstätigkeit auch mit einem jährlichen Beitrag von 1 600 Euro an den AWO-Kreisverband Nürnberg. Auch die Bevölkerung hat die Beratung gut angenommen: Demirel muss nie lange warten, bis die ersten Migranten mit Fragen und Problemen zu ihm ins Büro im ersten Stock des Landratsamtes kommen. Arbeitslosigkeit, Familienkonflikte, Schul- oder Jugendprobleme sind ebenso Thema wie Hilfe bei der Beantragung der Aufenthaltserlaubnis oder dem einfachen Übersetzen von Behördenpost.

Derzeit leben rund 5 000 Ausländer im Landkreis Roth. Bei derzeit etwa 125 300 Einwohnern entspricht das etwa vier Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, also auch Spätaussiedler und bereits eingebürgerte Migranten und deren Kinder, ist weit höher. „Da sie aber in den Statistiken nicht erfasst werden, gibt es keine genauen Daten“, sagt Deyerler.

Großer Traum

Trotz des Erfolgs der Migrationserstberatung im Landkreis Roth würde sich Demirel wünschen, auch selbst auf seine Zielgruppe zugehen zu können: „In den Köpfen der Menschen kann Hilfe schnell Abhängigkeit und Schwäche bedeuten“, erklärt er. Gerade Männer seien oftmals zu stolz, sich Unterstützung zu suchen. „Ihnen würde es leichter fallen, wenn ich auf sie komme.“

Dies würde sich am besten zum Beispiel in einem „Café der Kulturen“ verwirklichen lassen. Seit Jahren wünscht sich Demirel, dass sich im Landkreis Roth ein Gastronom findet, der solch einen Treffpunkt aller Nationen leiten könnte. Pläne hat er bereits mit seiner Tochter ausgearbeitet. Mit Spezialitäten und Veranstaltungen aus allen Kulturen soll die Integration gefördert werden. Hier könnte der Berater auf die Menschen zugehen und seine Hilfe anbieten, doch bislang fehlte die Zeit für die Umsetzung. „Für mich geht es nicht um Nationalität, sondern um eine Hilfestellung, mit der ich alle erreichen kann.“

Metin Demirel berät jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr im Bürgerbüro des Landratsamtes. In dieser Zeit ist er unter Tel. (0 91 71) 81-481 erreichbar, außerhalb der Sprechstunden in Roth per Mail: metin.demirel@awo-nbg.de.

Weitere Informationen im Landratsamt bei Manfred Deyerler



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