Die "Erfassung (historischer) Kulturlandschaft" ist ein Kooperationsprojekt von zwölf Lokalen Aktionsgruppen (LAG) in Mittelfranken und der Oberpfalz, das die EU im Rahmen von LEADER fördert. Ziel ist eine öffentliche Datenbank, in der interessante, seltene oder besondere Elemente zugänglich sind. Für Heimische, aber beispielsweise auch für Urlauber, die die Besonderheiten der für sie fremden Region kennen lernen wollen.

Für die Ehrenamtlichen der drei LAGn Altmühlfranken, Nürnberger Land und ErLebenswelt Roth fand nun eine gemeinsame Fahrt zu verschiedenen Zeugnissen der Kulturlandschaft im mittig gelegenen Landkreis Roth statt, die Thomas Büttner und Johanna Kemmler von der Projektleitung sowie die LAG-Geschäftsführerin Sina Mixdorf von der ErLebenswelt Roth zusammen mit Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß und der Heimatkundlerin Irmgard Prommersberger vorbereitet hatten.

Erstes Ziel waren die Wässerwiesen im Süden von Georgensgmünd. Anhand von topographischer und historischer Karte, Reliefkarte sowie Luftbild konnten die Teilnehmer die Funktionen von Mühlgraben, Bewässerungsgräben, Wehren und Schützen gut erkennen und nachvollziehen. Die Projektleiter hatten die Karten zweimal groß als Plakate ausgedruckt, so dass alle die Erläuterungen der Projektleiter und der Heimatpflegerin mit den Karten und der Wirklichkeit vergleichen konnten. Die sonnige, aber noch leicht diesige Morgenstimmung im Rezattal machte die Gäste mit den Schönheiten des Landkreises Roth bekannt. Da alle in jeweils ihren Regionen die Kulturlandschaft aufnehmen, ergaben sich nicht nur hier interessante Diskussionen, wie man welche Elemente am besten einzeichnet. "Flächig die ganze Wässerwiese oder als Strecken die Gräben und als Punkte die Wehre? Und den Mühlbach eigens? Es gebe keine eindeutige Regelung. "Sie kennen sich am besten aus vor Ort und können das am besten entscheiden", sagte Projektleiter Thomas Büttner.

 

Zeugnisse der Kulturlandschaft nahe der Ohlanger Keltenschanze werden erkundet: ein tief eingeschnittenes Hohlwegebündel, historische Pflasterung des alten Wegs nach Reinwarzhofen mit senkrecht gestellten Kalksteinen und mehrere Bierkeller (Bild oben). An der Wässerwiese südlich von Georgensgmünd diskutieren die Teilnehmer über die verschiedenen Möglichkeiten einer Kartierung.

Zeugnisse der Kulturlandschaft nahe der Ohlanger Keltenschanze werden erkundet: ein tief eingeschnittenes Hohlwegebündel, historische Pflasterung des alten Wegs nach Reinwarzhofen mit senkrecht gestellten Kalksteinen und mehrere Bierkeller. An der Wässerwiese südlich von Georgensgmünd diskutieren die Teilnehmer über die verschiedenen Möglichkeiten einer Kartierung. Foto: Schultheiß

 

Das nächste Ziel war der Schlossberg bei Heideck. Nach einem kurzen Fußmarsch hinauf zur Stelle der Hauptburg der Herren von Heideck erläuterte Eva Schultheiß die naturräumlichen Gegebenheiten der Region, die Ansiedlungen und Bewirtschaftung ermöglichten. "Die fruchtbaren Schwarzjura-Verwitterungsböden im Thalachtal lockten schon die jungsteinzeitlichen Bauern an, die sich oben auf die steil abfallenden Bergsporne der Jura-Hochfläche zurückziehen konnten. Die Kelten dann schätzten am Steilrand den Eisengehalt des Eisensandsteins und das auf der Hochfläche auf den Feldern "herumliegende" Bohnerz. Beim nahen Rudletzholz steuerte man einen alten Streuobstgarten und einen Hopfengarten an.

Auf dem weiteren Weg machte Eva Schultheiß aufmerksam auf zahlreiche Wegkreuze und Kapellen (bei Selingstadt und Ohlangen) und auf die europäische Hauptwasserscheide. Bei der Keltenschanze war aber nicht das schon lange kartierte Bodendenkmal das Ziel, sondern ein eindrucksvolles Hohlwege-Bündel, Wegepflaster aus senkrecht in den Boden geschlagenen Kalksteinplatten und Bierkeller, alles nahe beieinander. Da in den Kellern aber nichts Ess- und Trinkbares gelagert war, stärkte man sich in Thalmässing in der Gastwirtschaft.

Nachmittags war der Hang des Auer Bergs das erste Ziel. Hinauf ging es in einem Hohlweg vorbei an Bierkellern, bis hinauf zur Verebnung. Da gab es Wacholderheide-Flächen, ehemalige Weiden, historische Ackerterrassen, ehemalige Allmenden (Weideflächen in gemeinschaftlicher Bewirtschaftung), die man später in schmale Streifen auf alle Bauern aufteilte, sowie Abbaustellen von Weißjura-Steinen für Straßenschotter. Und dazu eine gute Sicht über den Auer Berg und die Südliche Frankenalb, die die Heimatpflegerin erklärte. So kann man über weite Strecken hinweg erkennen, wo am Berg die leichte Weißjura-Erhebung beginnt, denn dort wächst leicht erhöht Laubwald. Und dort gibt es eine wohl vorgeschichtliche Ringwallanlage und einen mittelalterlichen Burgstall.

Auf der Höhe östlich von Schwimbach erkundete man noch Abbaustellen von Eisenerz, bevor alle zur Abschlussbesprechung ins Heidecker Rathaus fuhren. Die Projektleiter und die Geschäftsstellenleiterinnen bedankten sich bei den Teilnehmern und bei Eva Schultheiß und Irmgard Prommersberger für die wertvollen Informationen.