
„Wir müssen besser, individueller sein als die anderen. Nur dann haben wir eine Chance gegen die Großen. Denn mit deren Preispolitik können wir nicht mithalten.“ Das ist nicht nur die Marschroute von Monika Hesslinger, eine der Seminarteilnehmerinnen und selbständige Floristin in Greding. Sie und ihre Kollegen, die in den vergangenen Monaten immer wieder die Seminarbank drückten, wollen schlichtweg ihre Existenz auf Dauer sichern. Aber wie?
Diese Frage stand im Mittelpunkt aller Seminartage in den vergangenen zehn Monaten. Die Gredingerin ging nun mit einem Abschlusszertifikat in der Hand und vielen neuen Ideen, zurück in ihren Berufsalltag. So, wie alle anderen Seminarteilnehmer, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kamen – angefangen von A wie Autohandel und Apotheke, über Ernährungsberatung, Reisebüro und Schreinerei bis hin zu Z wie Zimmerei. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Auf dem Markt zu bestehen.
Umso wichtiger in einer Region, in welcher der Mittelstand wirtschaftlich entscheidend ist. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 6000 Unternehmen sind im Landkreis registriert; über 5000 gehören zur Kategorie der Klein- und Kleinstbetriebe mit einem oder maximal neun Mitarbeitern.
Für Stabilität gesorgt
In der jüngsten Wirtschaftskrise sorgte genau diese kleinteilige Struktur für wirtschaftliche Stabilität im Landkreis. „Diese Vielfalt ist unsere Stärke“, so Landrat Herbert Eckstein – wohlwissend, dass dies für den einzelnen Unternehmer sehr oft bedeutet, sich gegen die Großen ihrer Branche behaupten zu müssen.
Aber: „Jammern hilft nicht, nur ,machen´ hilft“, so der Landkreischef weiter, der aus diesem Grund vor gut einem Jahr das Qualifizierungsprojekt, das in der gesamten Metropolregion angeboten wird, für die Betriebe in den Landkreis brachte – und damit aktuelles „Handwerkszeug“ zur Existenzsicherung heimischer Betriebe.
Verbraucher ist mitentscheidend
Letztlich sei nun entscheidend, wie sie dieses nutzten“, betonte Eckstein bei der Übergabe der Zertifikate und hielt es dabei mit den Fußballern. Da wie dort „liegt die Wahrheit am Platz!“ Andererseits nahm er auch die Verbraucher in die Pflicht: „Diese entscheiden mit ihrem Kaufverhalten letztlich darüber, wer sich halten kann und wer nicht“ – im Hinblick auf verödende Innenstädte ein wichtiges Kriterium.
Aber wie gelingt es, sich als (kleiner) Selbständiger auf dem Markt zu etablieren? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Seminarreihe – mit den unterschiedlichsten Antworten; je nach dem, aus welchem Blickwinkel die Dozenten die Thematik aufgriffen.
Verschiedene Perspektiven
Online-Marketing und kundenorientierte Gesprächsführung, die Selbstorganisation und die attraktive Gestaltung von Schaufenster und Verkaufsraum, Tipps für mögliche „Events“ und der Umgang mit Reklamationen, Seminartage für „Chefs“ wie für deren Mitarbeiter – es war ein weiter Bogen, den die Dozenten der beauftragten Nürnberger Agentur „Impulse“ spannten.
Es war damit auch eine Art Baukasten, die die sieben unterschiedlichen Dozenten von „Impulse“ (Agentur für Projektentwicklung und -management) den Teilnehmern an die Hand gaben. Nicht nur das: Viele von ihnen nutzten die Gelegenheit, ihr Geschäft von den Experten vor Ort kritisch unter die Lupe nehmen zu lassen
„Hier hat jeder etwas für sich mitnehmen können,“ bilanzierte beispielsweise Willi Wolfert, Leiter des Regens Wagner Werkstattladens. Die Fakten sprechen für den Erfolg des Projekts: Obwohl die Seminarreihe für die Teilnehmer kostenlos war, damit also keine Seminarkosten bei Nichtteilnahme „verloren“ gehen konnten; obwohl die Unterrichtstage „nebenbei“ zum laufenden Betrieb organisiert werden mussten, blieben alle bei der Stange. Bis zuletzt. . „Mein Kompliment. Hier hat der Einzelhandel begriffen, dass er wirklich etwas tun kann, um etwas in seinem Sinn zu bewegen“, zog Referent Erwin Germann verbal den Hut vor den „Macher-Qualitäten“ der Unternehmer und Betriebsleiter aus dem Landkreis.
Information
Das „Qualifizierungsprogramm für den Einzelhandel“ wurde in der Metropolregion Nürnberg Anfang vergangenen Jahres erstmals in dieser Form angeboten. Kooperationspartner waren verschiedene Städte, Kommunen und Landkreise; für die Seminare war „Impulse“ verantwortlich, eine Nürnberger Agentur für Projektentwicklung und -management, die sich auf die Entwicklung von Projekten, Qualifizierung und Beratung für den Einzelhandel und für Tourismusbetriebe spezialisiert hat. Sie betreute im Rahmen dieses Projektes, das im März 2012 ausläuft, insgesamt 16 Landkreise. Die Seminarreihe war für die Teilnehmer kostenlos, nachdem die Europäische Union und der Freistaat Bayern das Projekt finanzierten mit dem Ziel, damit einen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raums zu leisten.
Kommende Woche findet auch der letzte Seminartag für die Einzelhandel-Mitarbeiter statt. Sieben Veranstaltungstage waren bei dieser Kursreihe angesetzt.
Weitere Informationen zu Lehrinhalten und Organisation kann Thomas Pichl, Abteilung „Wirtschaftsförderung“ im Landratsamt Roth, Telefon 0 91 71/81-326, geben.
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