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Interview mit Energie-Experte Timo Leukefeld


Muss Energiesparen mit „Komfortverlust“, mit „sich-Einschränken“ zu tun haben? „Nein. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Wer mit Energie bewusst umgeht, gewinnt an Lebensqualität.“ Das sagt der Experte für regenerative Energien, Timo Leukefeld.

Timo LeukefeldIm folgenden Interview gibt Timo Leukefeld einen kurzen Abriss, um was es ihm beim Motto des Abends „Vom verkrampften Energiesparen zum intelligenten Verschwenden – Ihr Wohngebäude als Altersvorsorge durch energetische Eigenversorgung“ geht.

Beim 1. Energieabend des Landkreises werden Sie über „intelligentes Verschwenden“ sprechen. Ist das Provokation oder ist das mit dem „Verschwenden“ tatsächlich Ernst gemeint?
Leukefeld: Der Titel ist nicht bierernst gemeint; Ich möchte dieses ,intelligente Verschwenden´ gerne einfach dem ,blöden´, ím Sinne von ,unbequemen´ Sparen gegenüber stellen.

Das klingt gut. Aber ist diese Theorie auch praxistauglich?
Leukefeld: In jedem Fall. Denn mir geht es in meinen Ausführungen darum, im wahrsten Sinne des Wortes alltägliche, aber dennoch neue Wege im Umgang mit Energie aufzuzeigen; also weg von dem Verbrauch endlicher Rohstoffe - hin zu einer zukünftigen Kultur des Gebrauchens. Nicht das schlechte Gewissen als – wie ich finde wenig hilfreiche - Motivation fürs Energiesparen ist Dreh- und Angelpunkt meiner  energetischen Konzepte; vielmehr will ich Lösungen aufzeigen für eine kluge Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Mit der Konsequenz, dass nicht Verzicht im Vordergrund steht, sondern eben intelligente Verschwendung! Das hat doch was, wenn ich mit gutem Gewissen im Winter im 23 Grad warmen Wohnzimmer sitzen kann und auch ´Spaßfahrten´ mit dem Auto sind dann nichts, was man anprangern müsste – trotz, besser: gerade wegen eines bewussten Umgangs mit Energie.

Klingt nach Utopie?!
Leukefeld: Ist es nicht. Das alles ist möglich, wenn ich konsequent auf eine intelligente Eigenversorgung über die Sonne für Wärme, Strom und Mobilität setze. Das bedeutet Lebensqualität und eine neue Art der Altersvorsorge. Weil ich damit die laufenden Kosten, die gerade im Renten- und Pensionsalter nicht immer einfach zu schultern sind, minimieren kann.

Apropos Alter: Viele Senioren wohnen in Eigenheimen, die sie sich als jüngere Menschen angeschafft, bzw. gebaut haben. Was tun, wenn das eigene (alte) Haus energietechnisch kein Vorzeigemodell ist und die Finanzen aber keine großen Veränderungen zulassen. Wo lässt sich am effektivsten Energie einsparen, nach dem Motto: kleine Ursache – große Wirkung?
Leukefeld: Dann plädiere ich über mehrere Jahre hinweg für eine ,Politik´ der kleinen Schritte´. Zum allgemeinen Verständnis: In einem Durchschnittshaushalt werden 80 bis 90 Prozent der Kilowattstunden für die Erzeugung von Wärme und nur 10 bis 20 Prozent für die Stromproduktion verbraucht. Der Schwerpunkt der Sparpotentiale liegt also klar im Wärmebereich. Nur zwei Beispiele für Maßnahmen, die günstig und doch effektiv sind: Wer seine Heizung einfach mal durch einen Fachmann durchchecken und die Regelung optimal einstellen lässt, schafft in der Regel schon zehn Prozent Gaseinsparung. Oder wer für etwa 30 Euro den Geschirrspüler an das Warmwasser anschließen lässt, spart bis zu 80 Prozent Stromverbrauch, weil dann das kalte Wasser zum Spülen nicht mehr elektrisch aufgewärmt werden muss.

Und wer nun neu baut – auf welche drei Dinge sollte man unbedingt bei der Planung achten?
Leukefeld: Umsonst gibt es leider nichts. Ein ,Häuslebauer´ muss auf alle Fälle genügend Geld haben, um ein gesundes und sparsames Haus zu bauen. Und er muss vorausschauend planen, um sich so Chancen offen zu halten, sein Haus  später, wenn es die Finanzen (wieder) erlauben, problemlos „nachzurüsten“ zu können mit den Komponenten, die in der Anfangszeit vielleicht noch nicht drin sind; wie beispielsweise Solarkollektoren. Konkret: Wegen der zu erwartenden Temperatur-erhöhung im Sommer ist es wichtig – mehr als das bisher üblicherweise der Fall ist - einen besonderen Augenmerk auf die Gebäudehülle zu legen. Sie soll einerseits gut Wärme speichern können und sich andererseits durch geringe Wärmeverluste auszeichnen. Eine Ausrichtung des (möglichst steilen) Daches für die Nutzung der Sonnenenergie sowie größere, gut isolierende Fenster nach Süden sind für mich Pflicht. Wichtig ist mir auch, Platz auf dem Süd-Dach und im Heizraum für Kollektoren und Speicher vorzusehen. Wenn diese grundsätzlichen Dinge beachtet werden, hält man/frau sich alles offen für eine intensive Nutzung der Sonne, der einzigen kostenlosen Energiequelle.

Was ist für Sie – neben der Sonne - die sinnvollste regenerative Energieform für Privathaushalte?
Leukefeld: Da kann ich keine generelle Empfehlung abgeben. Mir geht es immer um individuelle, sprich: passgenaue Lösungen. Ich selbst würde immer die Solarthermie maximal einsetzen, da Sie von Herbst bis Frühjahr den höchsten Wirkungsgrad hat und sich gut speichern lässt. Mit ihr lassen sich heute schon Heizkosten von 40 bis zu 100 Prozent abdecken. Außerdem  setzt sie am größten Verbrauchsposten der Haushalte an: der Wärme. Ein Energiemix aus viel Sonnenwärme und etwas Gas oder etwas Holz ist in meinen Augen eine zukunftsfähige Lösung. Die Wärmepumpe dagegen wird es in Zukunft eher schwer haben sich angesichts flexibler Strompreise durchzusetzen - im Sommer ist der Strom günstig, aber ich brauche kaum Wärme. Und im Winter dreht sich dieses Verhältnis genau ins Gegenteil um.

Haben Öl und Gas bei Ihnen überhaupt eine Chance? Oder sind das echte „Auslaufmodelle“ für die Energieversorgung der Zukunft?
Leukefeld: Eine neue Ölheizung ist heute kein Thema mehr; sie ist moralisch (nicht ganz gerechtfertigt) verschlissen. Sie wird kaum noch in Neubauten installiert. Ich bin der Meinung, Öl und Kohle sollten wir uns aufheben für technische Prozesse für die wir derzeit keine Alternativen haben. Mir ist zum Beispiel noch kein Verfahren bekannt, mit dem  aus Sonnenlicht Kunststoff hergestellt werden kann. Das ist das ,Privileg´ fossiler Energieträger.  Öl und Kohle zu verbrennen oder zu verstromen,  ist volkswirtschaftlicher Blödsinn. Das sind DIE Rohstoffe der Zukunft. Gas wiederum sage ich eine kurz- und mittelfristig eine große Zukunft voraus. Gas ist verfügbar, tendenziell (wegen Fracking in den USA und bald auch in Indien und China) preisstabil, umweltfreundlicher als Öl und Kohle, speicherbar, gut einsetzbar für schnell regelbare Kraftwerke, die den fluktuierenden erneuerbaren Energien nachgefahren werden und ideal kombinierbar mit neuen Energieformen. Gas, Nah- und Fernwärme werden wichtige Begleiter einer Umstellung auf eine saubere, erneuerbare Energiewirtschaft mit einem stetig wachsenden Anteil solarer Energie sein.

Weg von der großen Politik, wieder zurück zum Energieabend in Wendelstein. Mit welchen Ideen möchten Sie Ihre Zuhörer nach diesem Energieabend nach Hause gehen lassen?
Leukefeld: Als studierter Energieexperte, der zugleich gelernter Handwerker ist, möchte ich nach meiner Situationsanalyse auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse niemanden nach Hause lassen, ohne nicht auch praktikable und alltagstaugliche Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt zu haben. Ich würde mich freuen, wenn die Zuhörer gleich am nächsten Tag zu Hause etwas vom Gehörten umsetzen, wie zum Beispiel den Geschirrspüler an das warme Wasser anzuschließen. Bei diesem Energieabend möchte ich eine Art energetischen Kompass für geplante Sanierungen und Neubauten ausgeben, damit die Zuhörer mit den Produktverkäufern von Heiz-, Solartechnik, Dämmung, Fenstern und Steuerungen auf Augenhöhe selbstbewusst und zielsicher verhandeln können. Das verhindert aus meiner Erfahrung häufig größere Fehlinvestitionen. Häufig glauben Bauherren zu wissen, was sie haben wollen. Aber meist wissen sie noch nicht, was Sie haben könnten. Mehr dazu dann beim Energieabend in Wendelstein… .

Interview, bzw. Quelle: Landratsamt Roth/Claudia Weinig

Foto: privat



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generiert am 14.08.2018 21:48:30 ­