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Neuer Start nach der Familienphase


Hilpoltstein (HK) Nach langer Familienphase zurück in den Beruf. Das ist das erklärte Ziel von Elke Stöhr (46) aus Hilpoltstein. Dabei hilft ihr das Orientierungsseminar „Neuer Start für Frauen“ inclusive eines vierwöchigen Praktikums.

Dafür hat sich die gelernte Verlagskauffrau die Anzeigenabteilung des Hilpoltsteiner Kurier herausgesucht. Zunächst gab es eine intensive Einweisung im Haupthaus des Verlages Donaukurier. Theoretisch gerüstet nahm Elke Stöhr anschließend für vier Wochen ihren Arbeitsplatz am PC der Anzeigenabteilung in  Hilpoltstein ein. Für sie ein Erfolgserlebnis: „Ich weiß jetzt, dass ich es organisatorisch schaffen kann.“

Nach dem Abitur absolvierte sie eine Lehre zur Verlagskauffrau und arbeitete noch etliche Jahre. Als das zweite Kind zur Welt kam, entschied sich Elke Stöhr für die Familie. Mittlerweile hat sie drei Söhne zwischen 12 und 18 Jahren. Ihnen zuliebe hat die Hilpoltsteinerin eineinhalb Jahrzehnte auf eine bezahlte Erwerbstätigkeit verzichtet. Aber untätig war sie keineswegs. „Um einen Fünf- Personen-Haushalt zu führen, braucht man schon gutes Zeitmanagement und Organisationstalent“, sagt die 46-Jährige selbstbewusst.

Ganz abgesehen davon, dass Elke Stöhr all die Jahre zeitlich gesehen fast einen Halbtagesjob beim örtlichen Turnverein ausfüllte. Für ihr Ehrenamt als stellvertretende Vorsitzende, Abteilungs- sowie Übungsleiterin habe sie viele Stunden geopfert, erklärt sie.

Doch dieses Engagement will Elke Stöhr jetzt herunterfahren. „Ich habe viel ehrenamtlich gearbeitet, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich denkt, man könnte wieder eine bezahlte Arbeit aufnehmen.“ Und der ist für die Hilpoltsteinerin definitiv gekommen. „Ich habe schließlich noch 20 Jahre Erwerbsleben vor mir“, sagt sie realistisch.

Dabei half ihr das Orientierungsseminar „Neuer Start für Frauen“, das 2014 als erster Kurs in ganz Mittelfranken nach vielen Jahren wieder aktiviert wurde. Fördermittel gibt es vom bayerischen Sozialministerium, Trägerin ist die Volkshochschule Roth. Deren Leiterin Karin Duman-Geiß ist überzeugt von dem Seminar. Denn im Gegensatz zu früheren Angeboten für Berufsrückkehrerinnen habe man den Kurs neu ausgerichtet. „Wir wollen Frauen, die lange in der Familienphase waren, die Chance geben, wieder im Berufsleben Fuß zu fassen“, betont Duman-Geiß.

„Anfangs fragt man sich schon, ob man noch fit ist für das Berufsleben“, gesteht Elke Stöhr. Doch diese Befürchtung habe sich im Praktikum schnell gelegt. Die Wiedereinsteigerin habe sich sehr schnell in das komplexe System der Kundenbetreuung eingearbeitet, bestätigt der Donaukurier-Anzeigenmitarbeiter Rüdiger Böll. „Wir sind glücklich, dass wir sie hatten. Das ist der richtige Schritt in die Zukunft.“

Vom Erfolg des Orientierungsseminars ist VHS-Leiterin Duman-Geiß überzeugt: Erst vor wenigen Tagen habe ihr eine Kursteilnehmerin freudestrahlend berichtet, dass sie einen neuen Job gefunden habe. Zu den unterrichteten Themen gehören Zeit- und Konfliktmanagement, Kommunikation und Körpersprache sowie Bewerbungstraining, Englisch und Arbeitsrecht. Großer Wert wird auch auf EDVKenntnisse gelegt, es werden sogar Prüfungen geschrieben, so dass die Frauen am Ende entsprechende Zertifikate in den Händen halten.

Ein Aspekt, der für Monika Obermeyer aus Hilpoltstein wichtig war. Die 47-Jährige hat wegen ihrer beiden Kinder ebenfalls eine längere Familienphase hinter sich und wollte nach 15 Jahren und einigen Nebenjobs wieder richtig einsteigen. „Am Computer tut sich so viel“, betont die 47-Jährige, deshalb waren für sie die PC-Schulungen wesentlich. „Ich wollte die Zertifikate haben“, betont die gelernte Bankkauffrau.

In ihren alten Beruf kehrte sie nach der Schulung im vergangenen Jahr allerdings nicht mehr zurück, denn als Alleinerziehende habe sie nicht Vollzeit arbeiten wollen. Nun hat sie ihren Traumjob gefunden: im Vorzimmer des Kreisjugendamts in Roth. „Das ist eine wunderschöne Stelle, ich gehe jeden Tag mit Freude hierher.“ Allerdings habe sie auch viele Bewerbungen schreiben und sich mitunter von Arbeitgebern anhören müssen, sie sei schon viel zu lange aus dem Geschäft. Der Kurs und der Zusammenhalt mit den anderen Frauen hätten ihr aber sehr geholfen. „Ich bin froh, dass ich das gemacht habe und kann es nur weiterempfehlen.“

Neuer Start für Frauen 2015

Autorin und Foto: Monika Meyer

Quelle: DK Nr. 120, Donnerstag, 28. Mai 2015, S. 19

 

Link zu weiteren Informationen: Seminar Neuer Start für Frauen 2015



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