ARCHIV KREISENTWICKLUNG LANDKREIS ROTH

„Ganz jung—ganz alt—ganz Ohr“ - Realschüler informierten sich im Awo-Kompetenzzentrum über das Berufsfeld Altenpflege


Ist Altenpflege nur etwas für diejenigen, die nichts anderes gefunden haben? Dieser Meinung jedenfalls waren die Eltern der Realschülerin Anika, die in einem Film ihren zunächst entsetzten Eltern eröffnet, dass sie diesen Beruf erlernen möchte. Sicherlich hatte sich Anika vorher genau informiert, genauso wie die 26 Mädchen und sechs Jungen der Klasse 7e der Staatlichen Realschule Hilpoltstein, die mit ihren Lehrkräften Marina Grimm und Heike Mederer ins Awo-Kompetenzzentrum Hilpoltstein gekommen waren.

Viele praktische Tipps bot der Berufsorientierungstag.   Foto: M.KlierHILPOLTSTEIN — An drei Stationen gewannen die Jugendlichen einen interessanten Einblick in das Berufsfeld Altenpflege. Sensibilisieren, informieren und ausprobieren hatten die beiden Organisatoren Stefan Forster und Thomas Döbler vom Landratsamt Roth die drei Stationen benannt. Sie konnten dabei auf eine erfolgreiche Veranstaltung in Spalt zurückgreifen.

Einrichtungsleiter Frank Krebel hatte sich für diesen Berufsorientierungstag gleich aufgeschlossen gezeigt. Beratungslehrer Georg Marchl leitete den Vormittag in die Wege, der von Brigitte Reinard begleitet wurde. Sie ist Projektleiterin der Initiative „Ganz jung – ganz alt – ganz Ohr“, die vom bayerischen Sozialministerium und der evangelischen Kirche gefördert wird. „Ab wann ist man alt?“, lautete ihre erste Frage.

Die Meinungen der etwa 13-Jährigen schwankten zwischen 18 und 80 Jahren. Das hohe Alter, so erläuterte Brigitte Reinard, beginne allerdings erst ab 80 bis 85 Jahren. Oft bringt das Alter Beschwerden mit sich, nicht bei jedem gleich und im gleichen Ausmaß. Oft allerdings ist die Beweglichkeit eingeschränkt.

Für dieses Gefühl wurden die Mädchen und Buben mit einem 30 Kilogramm schweren Alterssimulationsanzug sensibilisiert. Rücken, Gelenke, Brustkorb, Wirbelsäule, Füße und Hals sind damit in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Brille und Ohrhörer simulieren weitere Einschränkungen. Mit gekrümmter Haltung schlurfen Eva und Jasmin durch den Saal. „Ganz kaputt“, lässt sich Ina nach  einer Runde in den Sessel fallen.

Andere üben die Fortbewegung mit Rollator und Rollstuhl. Der Reizstrom in speziellen Handschuhen stimuliert unkontrollierte Bewegungen, wie sie bei Parkinsonpatienten auftreten können.

Danach war Ausprobieren angesagt. Erstaunt bemerkten die Jugendlichen, welche technischen Hilfsmittel für das Aufrichten und das Transportieren bettlägriger Menschen zur Verfügung stehen. Körperlich anstrengendes Aufheben und Tragen gibt es nicht mehr.

 

Schnell hat Anna gelernt, wie sie mit einer elektrischen Aufstehhilfe ihre Mitschülerin Milena vom Bett in den Rollstuhl bringen kann. Lisa simuliert eine alte Dame, die überhaupt nicht mehr aufstehen kann. Ihr Klassenkamerad Lorenzo betätigt den fahrbaren Lift, mit dem er Lisa aus dem Bett hebt.

Interessanter Job

Zum Thema „Informieren“ erläuterten Frank Krebel und Thomas Döbler die Einstiegsvoraussetzungen und die Ausbildung in der Altenpflege. Im eingangs erwähnten Film kann Anika ihre Eltern schließlich überzeugen, dass dieser Beruf durchaus für sie infrage kommen kann.

Noch dazu, wenn man nach der Ausbildung ein Gehalt von 2500 Euro brutto erhält. Eine wichtige Voraussetzung, das wurde immer wieder betont, ist aber die Freude am Umgang mit alten Menschen. Und das kann durchaus Spaß machen, wie Einrichtungsleiter Frank Krebel versicherte.

Wer als Leiter einer Einrichtung für Altenpflege oder aber einer Schule an einem ähnlichen Info-Tag für Schüler interessiert ist, findet mit Thomas Döbler den richtigen Ansprechpartner. Er ist im Sozialen Kompetenz- Zentrum in Hilpoltstein, Sankt-Jakob-Straße 12, oder unter (09174) 970342 zu erreichen.

 

Artikel und Foto: Manfred Klier / HRV, Freitag, 28. November 2014, Seite 40



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