ARCHIV KREISENTWICKLUNG LANDKREIS ROTH

Bildungspolitik - Frauen aus der (Berufs-)Reserve geholt


Kann ich das? Das war die große Frage im Februar für ein gutes Dutzend Frauen, als sie in der ersten Seminarstunde eines neu konzipierten Orientierungskurses saßen, der unter der Regie von Zukunftscoach und Gleichstellungsstelle des Landratsamtes angeboten wurde. Das Ziel: Frauen nach einer meist längeren Familienpause „fit“ für die Arbeitswelt von heute zu machen. Jetzt, ein Vierteljahr später, konnten sich genau diese Frauen die Antwort selbst geben: Ich kann das! Alle Absolventinnen bestanden die anspruchsvolle Abschlussprüfung – ein guter Grund zum Feiern.

Genau das taten die Seminarteilnehmerinnen, zusammen mit den Initiatoren, Trägern und Seminarleiterinnen dieser Tage unter dem Dach der Rother Volkshochschule im Seckendorffschluss – dort, wo die 15 Frauen seit Mitte Februar an vier Tagen die Woche einen ganzen Vormittag lang „paukten“.

Vielseitiges Programm
Sie wurden vertraut gemacht mit den PC-„Basics“, wie Word, Excel und Power Point, lernten etwas über Arbeitsrecht, Zeit- und Konfliktmanagement, setzten sich mit Kommunikation und Körpersprache auseinander, machten sich auf „Entdeckungsreise“ nach den eigenen Fähigkeiten, Zukunftsvorstellungen und Möglichkeiten, verfassten ansprechende Bewerbungen.  Das waren die Inhalte, die sich unter dem Seminartitel „Neuer Start für frauen – Orientierungsseminar zum beruflichen Wiedereinstieg“ verbargen.

Keine willkürliche Auswahl, sondern das Ergebnis einer bisher einmaligen, aber nicht letztmaligen Kooperation – das steht nach dieser gelungenen Premiere bereits fest.

Am Anfang stand die Idee von Zukunftscoach und Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Stefan Forster und Claudia Gäbelein-Stadler,  Frauen nach einer meist längeren Familienpause aus der (Arbeitsmarkt-)Reserve holen zu wollen – wohlwissend, dass in einer sich permanent ändernden Arbeitswelt die Frauen dafür „fit“ gemacht werden müssen.

So kamen in der Person von Vhs-Leiterin Karin Duman-Geiß (Volkshochschule Stadt Roth), sowie mit der Beauftragten für Chancengleichheit, Walburga Bauernfeind (Arbeitsagentur Roth), zwei kompetente Ansprechpartnerinnen mit ins Boot. Darüber hinaus konnten Fördermittel aus einem Topf des Bayerischen Sozialministeriums locker gemacht  werden, um dieses mit qualifizierten Seminarleiterinnen ausgestattete Orientierungsseminar für die Teilnehmerinnen kostengünstig anbieten zu können.

Praktikum inklusive
Eine der schwierigsten Aufgabe, so bekannte Duman-Geiß in der Feierstunde, sei es dann gewesen, Betriebe in und um Roth aufzutun, die bereit waren, für drei Wochen Kursteilnehmerinnen als Praktikantinnen aufzunehmen. Denn die „Macherinnen“ wollten nicht nur Theorie vermitteln, sondern auch Praxiserfahrung.  Letztlich konnten dann doch alle Frauen, die dieses (freiwillige) Praktikum ableisten wollten, vermittelt werden.

„Aber man hat anfangs schon die eher ablehnende Haltung gegenüber einer vergleichsweise alten Praktikantin gespürt -  um dann wiederum auch zu erfahren, dass Arbeitgeber im Laufe der Arbeitswochen oftmals positiv überrascht waren von unserer Leistungsfähigkeit,“ erzählt Monika Volk (47) über den Erfahrungsaustausch innerhalb der Seminargruppe.

„Das ist auch nicht verwunderlich. Schließlich sind sie alle Familienmanagerin“, hob vhs-Leiterin Duman-Geiß in ihrem Grußwort hervor, das sie an die 15 erfolgreichen Seminarabsolventinnen richtete – allesamt Mütter im Alter zwischen Anfang 30 und 60 Jahren, mit den unterschiedlichsten (Vor-)Geschichten, Bildungs- und Berufsabschlüssen, aus allen Teilen des Landkreises.  

Zunächst hatte sie „nur“ das Ziel, sich für den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt von heute zu rüsten, als Zweck-Gemeinschaft zusammen gebracht. Doch das gemeinsame Lernen und „Durchbeißen“, gerade im EDV-Bereich, der Erfahrungsaustausch untereinander formte aus der bunt zusammengewürfelten Truppe eine eingeschworene Gemeinschaft. Das wurde bei der Zeugnis-Feier nur zu deutlich.

Gemeinsame Bewerbungsmappe
Und: Diese Entwicklung hat Konsequenzen. Gemäß dem Motto „gemeinsam stark“, arbeiten die Frauen – nun los gelöst von der Seminarleitung - derzeit an einer Art gemeinsamen Bewerbungsmappe. Sie soll spätestens Ende Mai „stehen“, um dann an Betriebe initiativ oder auch auf Anfrage, verschickt zu werden.

„Wir haben keine Lobby. Also müssen wir eigene Netzwerke bilden“, erklärt Monika Volk, die schon etliche Anläufe unternommen hat, um wieder in ihren alten Beruf als Ökotrophologin unterzukommen. Ohne Erfolg. Eine Erfahrung, die sie mit vielen ihrer „Kolleginnen“ teilt. „Wer Kinder hat, steht immer im Verdacht, zu oft auszufallen und zu unflexibel zu sein.“

Mit dem Orientierungsseminar, das einerseits auf „hardware“ im EDV-Unterricht setzte und andererseits auf „softskills“ – Stichwort: Bewerbungstraining, Zeitmanagement – hätten sie einen ersten, wichtigen Schritt gemacht, um wieder in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Das versicherten die Zeugnis-Gratulanten Landrat Herbert Eckstein, Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer, Vhs-Leiterin Karin Duman-Geiß und die Dozentinnen den Frauen.

Was danach (beruflich) kommt? Das weiß bisher noch keine der Absolventinnen. Aber wie sagte eine der Frauen beim Gehen: „Jetzt habe ich ein neues Kapitel in meinem Leben begonnen. Jetzt mache ich auch weiter.“    

        
Information:
Bei Interesse an der Bewerbungsmappe mit den Daten und Fakten zu den Seminarabsolventinnen ist Monika Volk die Ansprechpartnerin für die Gruppe;

Mail: frauen-starten-durch@gmx.de

Das Seminar soll voraussichtlich im Herbst erneut angeboten werden.  Weitere Informationen zu den Seminarinhalten bei: vhs Stadt Roth,
Telefon (0 91 71) 98983-0, Mai: info@vhs-roth.de

 

Bildtext: Auf die erfolgreiche Abschlussprüfung ihres Orientierungsseminars stießen die 15 Absolventinnen von „Neuer Start für Frauen“ nur zu gerne mit Landrat Herbert Eckstein, Bürgermeister Ralph Edelhäußer, Vhs-Leiterin Karin Duman-Geiß und ihren Dozentinnen an.
Foto: lra

 

 

 



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generiert am 23.11.2017 06:30:59 ­