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In die Haut von Senioren schlüpfen - Berufsorientierungstag Altenpflege weiß Schüler für eine stark unterschätzte Zukunftsbranche zu begeistern


Spalt (HK) Altenpflege: So ganz neu ist das alles für die Schüler der Spalter Spalatinschule nicht. Sie pflegen bereits gute Kontakte zu dem Spalter Seniorenheim. Nun aber gehen sie noch stärker auf Tuchfühlung miteinemBeruf, der für die Gesellschaft in der nächsten Zeit an Bedeutung enormgewinnenwird.

„Es geht um eure Zukunft - und wir brauchen junge Leute für unsere Zukunft“: Josef Zimmermann, Leiter des Caritas-Seniorenheims St. Nikolaus, bringt es gleich zu Beginn des Berufsorientierungstags Altenpflege
in Spalt auf den Punkt. Die Offenheit kommt gut an: Mit Elan machen sich die 18 Achtklässler der Ganztagsklasse daran, eine Branche ganz neu für sich zu entdecken.

Wer Altenpfleger werden will, der soll sich erst einmal in die Senioren selbst hineinversetzen können, so der Ansatz des Orientierungstages wie auch der Ausbildung. Im ersten Jahr schon wird dort die Aromatherapie gelehrt, die den interessierten jungen Damen und Herren auch im Rahmen des jetzigen Projekts nähergebracht wird. „Gerüche wecken Gefühle“, erklärt Gerontofachkraft Brigitte Ulsenheimer den Achtklässlern. Das wirke sich nicht nur gut auf die Seelen der Senioren aus, sondern habe auch positive körperliche Folgen. Müde Augen und steife Hände öffnen sich, wohltuende Massagen entfalten so noch besser ihre Wirkung. Wie gut diese tun, dürfen die Schüler gleich bei sich selbst austesten und erfahren.

An der gleichen Station gilt es auch, Verbände anzulegen oder sich gegenseitig den Blutdruck zu messen. Bei Samira Berghofer kommt das gut an. Sie kann sich vorstellen, später einmal in der Altenpflege zu arbeiten. Spaß haben auch Laura Salomon und Clarissa Murana, die im Supergirl-T-Shirt den Aktionstag bestreitet. Es ist eben ein Beruf für Helden, um den es hier geht.

An einer weiteren Station kann man Brillen aufsetzen, die diverse Augenkrankheiten simulieren. Oder es darf der „GERT“ angezogen werden – der Alterssimulationsanzug. Als Erster schlüpft Paul Kellermann hinein. „Das ist ja viel schwieriger als ich gedacht habe“, bekennt der junge Mann. Der Anzug vermittelt ihm die Schwierigkeiten, die ein alter Mensch bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Brot schmieren hat.

„Für dich waren das jetzt nur zehn Minuten“, gibt Doreen Holzfuß zu bedenken. Die Senioren hingegen könnten nicht aus der Haut wie aus dem Anzug schlüpfen, so die examinierte Altenpflegerin und gerontopsychiatrische Fachkraft weiter. Sie ist für die Praxisanleitung der Azubis im Hause zuständig.

Mit Paul Kellermann hat sie in Kürze wohl des Öfteren zu tun: Er hat sich trotz „GERT“ gleich für ein Praktikum im Hause angemeldet. Vielleicht wird ja auch eine Altenpflegeausbildung draus.

Im dritten Jahr durchläuft eine solche derzeit Jessica Eitel, die an der dritten Station die Schüler in Empfang nimmt. Dort lässt sich Patrick Ruppert bereitwillig in einen Sitzlift schnallen, dann erst in die Badewanne und gleich darauf ins elektronisch beliebig verstellbare Bett verfrachten.

Interessiert betrachten die beiden Seniorinnen des dazugehörigen Zimmers die Szenerie.

Mit einer Fülle von Erfahrungen finden sich die Achtklässler nach dem Durchlaufen der drei Stationen wieder in der Spalatinschule zum theoretischen Teil des Aktionstags wieder. Nach allgemeinen Informationen wird dort Thomas Döbler mit Fragen gelöchert. Er gehört zum Beratungsteam Altenpflegeausbildung, das im Auftrag des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend agiert. Döbler ist für Mittelfranken sowie die Oberpfalz zuständig und zeigt sich begeistert über die Spalatinschüler.

Interesse an einem Praktikum bekunden nach dem Aktionstag zehn von ihnen, drei können sich auch eine Ausbildung vorstellen. „Es ist super, wie die Schüler mitgemacht haben“, erklärt der Berater.

„Da war so mancher Aha-Effekt dabei“, ergänzt Stefan Forster, Zukunftscoach für den Landkreis Roth. Der Aktionstag, für den sich das Caritas-Seniorenheim als aufgeschlossener Partner empfohlen habe, „war in dieser Form landkreisweit der erste und hoffentlich nicht der letzte“, so Forster.

Die Caritas selbst hat bereits Übung in solchen Hinführungen der Schüler an das Berufsbild des Altenpflegers. So wird etwa das „Freiwillige soziale Schuljahr“ angeboten, in demparallel zumSchulbesuch in das besagte Arbeitsfeld „hineingeschnuppert“ werden darf. Am Ende gibt es auch ein Zeugnis. Ein Modell, das nun auch in der Diözese Eichstätt verstärkt greifen soll.

 

Quelle: Hilpoltsteiner Kurier, Nr. 67, 21. März 2014, S. 27

Autor und Foto: Jürgen Leykamm

 



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