ARCHIV KREISENTWICKLUNG LANDKREIS ROTH

Eine Medizin gegen den Fachkräftemangel


NÜRNBERG/ROTH - Wegen des demografischen Wandels ist der Fachkräftemangel für bestimmte Berufe in Nordbayern bereits angekommen. Die Metropolregion Nürnberg setzt in 16 Städten und Landkreisen sogenannte Zukunftscoaches ein, die Projekte entwickeln, um die Region zukunftsfest zu machen und das Problem besser in den Griff zu bekommen. Wir sprachen mit Stefan Forster, Zukunftscoach für den Landkreis Roth.

NZ: Herr Forster, Arzt, Pilot und Feuerwehrmann sind die Traumberufe vieler Jungs. Wie sind Sie dazu gekommen, Zukunftscoach zu werden?

Stefan Forster: Ich habe mich während meines Studiums der Wirtschaftsgeographie an der Uni Bayreuth schon intensiv mit dem Thema demografischer Wandel beschäftigt. Für meine Diplomarbeit habe ich gezielt die Region Nord-Ost-Oberfranken untersucht, die ja bekanntlich besonders stark von diesem Problem betroffen ist. Dann habe ich die Stelle für den Zukunftscoach gesehen und dachte, das würde gut zu mir und zu dem, was ich beruflich machen möchte, passen.

 

NZ: Die Stelle haben Sie ab Oktober 2012 bekommen. Was machen Sie seitdem genau als Zukunftscoach?

Forster: Ich selbst sehe mich auch als eine Art „Brückenbauer“. Aus diesem Grund war und ist es für mich wichtig, Netzwerke aufzubauen, bzw. zu pflegen, also Kontakte in die unterschiedlichsten Bereiche von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu knüpfen. Eine der ersten konkreteren Initiativen, die ich zu Beginn meiner Arbeit als Zukunftscoach hier im Landkreis Roth mit getragen habe, war u.a. der Boys and Girls Day 2013; wenig später folgte eine Veranstaltung mit dem Ziel, EU-Fachkräfte für die Altenpflege zu gewinnen und über die Landkreisgrenzen hinaus klinkte ich mich in das Projekt „Schüler-Power“ der Erlanger defacto-Stiftung ein; dabei werden Achtklässler von Mittel- und Förderschulen unterstützt, dass sie innerhalb von acht Monaten die Ausbildungsreife erwerben. Zurzeit nehmen daran drei Schüler aus unserem Landkreis teil - von insgesamt 15 aus dem Großraum Nürnberg. Und in den nächsten Wochen starten unsere beiden großen neuen Vorhaben für 2014, die wieder andere Schwerpunkte haben.

 

NZ: Worum geht es da?

Forster: Wir legen in diesem Jahr den Fokus zum einen auf die Mobilisierung der sogenannten Stillen Reserve für den Arbeitsmarkt  - ein Stichwort ist dabei der beruflicher Wiedereinstieg von Frauen nach der Familienpause. Zum anderen geht es darum, Ausbildungsabbrüche bei angehenden Altenpflegern und -pflegerinnen zu verhindern.

 

NZ: Was kann der Landkreis Roth konkret tun, um die „Stille Reserve“ zu motivieren?

Forster: Wir bieten ab 17. Februar in Zusammenarbeit mit der Rother Volkshochschule ein entsprechendes Seminar an, das sich gezielt an Frauen richtet, die den Wiedereinstieg in die Berufswelt nach einer Familienpause anvisieren. In diesem zwölfwöchigen Teilzeit-Seminar mit 175 Unterrichtseinheiten wird allen Teilnehmerinnen fachliches und persönliches Wissen vermittelt, das ihnen bei einer Rückkehr ins Berufsleben mit Sicherheit weiter hilft. Kursinhalte sind beispielsweise Kommunikation und Körpersprache, Bewerbungstraining, Zeit-Management und EDV-Kenntnisse. Darüber hinaus ist ein dreiwöchiges Berufspraktikum fester Bestandteil in diesem Qualifizierungskonzept. Über das Praktikum können vielleicht sogar berufliche Kontakte für später geknüpft werden. Weil das Seminar über das bayerische Arbeits- und Sozialministerium gefördert wird, müssen die Teilnehmerinnen nur 120 Euro selbst bezahlen. Hinter diesem Projekt stehen neben der vhs der Stadt Roth und ich als Zukunftscoach noch die Gleichstellungsbeauftragte und das Frauenforum des Landkreises Roth sowie die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Roth.

 

NZ: Wie wollen Sie dabei helfen, Ausbildungsabbrüche in der Altenpflege zu verhindern?

Forster: Wir wissen, dass das ein schwieriges Kapitel ist. Auf der einen Seite braucht der Arbeitsmarkt dringend Nachwuchs bei der Altenpflege – auch im Landkreis Roth ist der Fachkräftemangel schon spürbar. Auf der anderen Seite sind die Ausbildung und auch die spätere Arbeit anspruchsvoll und oft auch anstrengend. Das führt immer wieder dazu, dass sich so mancher angehende Altenpfleger, bzw. Altenpflegerin wieder umentscheidet und die Ausbildung abbricht. Zusammen mit dem Senior Experten Service (SES) wollen wir deshalb allen interessierten Schülern an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Roth der Diakonie Neuendettelsau einen ehrenamtlichen lebens- und berufserfahrenen Mentor an die Seite stellen. Dieser so genannte Senior-Experte unterstützt „seinen“ Schüler/ „seine“ Schülerin bei fachlichen Fragen genauso wie bei persönlichen (Motivations-)Probleme und hilft im Optimalfall auch bei ganz alltäglichen Sorgen. Die Kontaktstelle „Für einander - Bürger-Engagement Landkreis Roth“ ist bei dem Projekt einer unserer Partner, nachdem wir derzeit nach entsprechenden Mentoren suchen, die sich für diese fachlich und sicher auch menschlich lohnende Ausbildungsbegleitung engagieren wollen.

 

NZ: Was tun Sie noch, um den Fachkräftemangel im Bereich Altenpflege zu entschärfen?

Forster: Wir müssen den Schülern rechtzeitig die Möglichkeit geben, den Beruf besser kennenzulernen und bieten beispielsweise im März einen Berufsorientierungstag für die achte Klasse der Spalatin-Schule in Spalt an. Dabei werden wir dem Caritas-Pflegeheim einen Besuch abstatten, dort die Pflegeberufe vorstellen, um dann die Schüler typische Tätigkeiten aus der Pflege selber ausprobieren lassen. Ich denke, als Zukunftscoach ist es nicht mit durchdachten Konzepten und zu Papier gebrachten kreativen Ideen getan. Ohne das geht es nicht. Doch wer Zukunft gestalten will, muss dafür auch aktiv etwas tun.

 

Quelle: Nürnberger Zeitung, 6. Februar 2014, S. 3

Autorin: Stephanie Rupp



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